Mit klugen Ratschlägen von Eltern an Eltern ist das ja so eine Sache… Da muss man vorsichtig sein, oder gleich ganz die Klappe halten. Mein Schwager und seine Frau sind vor acht Wochen zum ersten Mal Eltern geworden. Ich würde oft gerne meine mittlerweile gewachsene Elternweisheit versprühen – nicht um sie zu ärgern und mich einzumischen, sondern um ihnen das Leben zu erleichtern und sie vor einigen Dingen zu bewahren, vor denen uns niemand bewahrt hat. Es gibt einige Dinge, die in meinem Kopf herumbrüllen, Ratschläge die ich mir verkneife und sie herunterschlucke:

– Packt den Gymnastikball weg! Erstens ist es nicht gut für das Kind darauf stundenlang hoch und runter gewippt zu werden. Zweitens ist das nicht nötig, sie lernt sonst nicht ohne Einschlafhilfe zur Ruhe zu kommen!

Schluck…

– Nein, Babymassage – buh! Warum tust Du Dir und dem Winzling so einen Terminstress an? Die Kleine hat doch noch gar keinen Rhythmus auf den man sich verlassen kann und soll dann genau zu DIESER Zeit gut drauf und aufnahmebereit sein? Guck Dir ein Youtube-Video an und mach es in Ruhe zu Hause, wenn sie gerade satt, ausgeschlafen und gut drauf ist – da habt Ihr beide mehr von!

Schluck…

– Ihr müsst nicht schon in der ersten Woche Besuch empfangen und bitte, backt doch nicht auch noch einen Kuchen! Das Wochenbett ist dazu da, sich von der Geburt zu erholen und sein Kind kennenzulernen…

Schluck…

– Was sie schläft noch nicht durch? Nein! Natürlich schläft sie noch nicht durch, das muss sie auch noch nicht können! Es gibt Zweijährige, die noch nicht durchschlafen – das ist ganz normal! Ein Kind schläft zwischen etwa 23 Uhr und 5 Uhr morgens auch nicht wirklich tief und eher unruhig. Das ist Schlafbiologie! Das IST so!

Schluck…

Ich weiß, dass wir selber solche Ratschläge als Einmischung und als übergriffig empfunden hätten, vor allem beim ersten Kind, wo man ja oft noch so dünnhäutig ist und sich in der neuen Rolle zurechtfinden muss. Darum halte ich meine Klappe. Sie müssen selber ihre Erfahrungen machen und herausfinden, was für sie und ihre Familie das Beste ist. Womit sie gut klarkommen und womit nicht. Was ihr Baby mag und was nicht. Was für Eltern sie sein wollen, was für Meinungen und Einstellungen sie haben werden. In der Zwischenzeit finde ich es spannend dabei zuzusehen, wie ein neues Elternpaar diese Entwicklung ganz von Anfang an durchmacht. Dieses Mal darf ich mich zurücklehnen und von außen beobachten. Ich beneide sie nicht darum, ich weiß, es ist hart am Anfang. Aber ein bisschen schadenfroh bin ich auch, das gebe ich zu. Es tut gut, dass man plötzlich „Mitstreiter“ hat und einiges von dem, was einem selber zu Beginn die Nerven geraubt hat, nun für die beiden aus einer neuen Perspektive gesehen wird. Dass man Verständnis dafür bekommt, dass man z.B. den hässlichen aber der Brust nachempfundenen Kautschuk-Nucki benutzt hat („Der ist ja riesig, da sieht man das Gesicht gar nicht mehr“, „Es gibt so süße Nuckis…“, „Was ist das denn für ein Badewannenstöpsel?“). Oder dass man den Schwiegereltern verboten hat, dem Säugling Tee mit Honig zu geben… Was zuvor belächelt und als übertrieben aufgefasst wurde, erscheint dann eben mit einem eigenen Kind (und einigem an Ratgeberliteratur und Aha-Effekten mehr: Aha, Honig kann für Säuglinge gefährlich sein! Und achso, man sollte nicht schon Säuglinge an Süßes gewöhnen. Geschmacksknospen und so…) in einem ganz anderen Licht. Sie machen das heute genau so, bekommen dafür dasselbe Augenrollen und die alt-bekannten Kommentare. Und ja – das tut gut! Da darf man ruhig mal ein bisschen die „Ätsch-da-seht-Ihr-mal-wie-das-ist“ bzw. die „Willkommen-in-unserer-Welt“ – Haltung einnehmen. Solange man selber nicht dabei mitmacht, den beiden das Leben schwer zu machen. Ein Schluckspecht sein – wenn auch ein gemeiner schadenfroher. Ich finde, das haben wir uns verdient!

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