Mama notes hat Angst vor der Einschulung ihres Kindes und ruft auf zur Blogparade, um andere Elternmeinungen einzuholen. Auch wenn ich einige Punkte verstehen kann, glaube ich, eine grundlegend andere Einstellung zu diesem Thema zu haben (zumindest was die Grundschulzeit angeht).

Mit Mama-Ängsten ist da ja so eine Sache: Wir alle haben sie – mehr oder weniger – und ganz oft überraschen uns unsere Kinder damit, wie cool sie im Gegensatz zu uns mit (neuen) Situationen umgehen. So war es bei uns auch mit der Einschulung und allem was damit zusammenhängt.

Was habe ich mir vorher Gedanken gemacht… Dass mein Kind sich morgens nicht trennen kann, dass seine Wissbegierde und Neugierde kaputt gemacht wird, dass das System ihn dann hat… Um es kurz zu machen: Er liebt die Schule, wuppt das alles ganz toll und ich werde mich hüten, meine eigenen Ängste auf ihn zu übertragen! Denn ich glaube, Kinder spüren das. Wenn die Eltern unsicher sind, Vorbehalte haben, von vornherein mit einer negativen Einstellung in den neuen Lebensabschnitt starten… Da sind die Antennen ganz auf „fein“ gestellt.

Vorweg: Das Schulsystem ist mit Sicherheit nicht perfekt! An vielen Stellen gäbe es Verbesserungsbedarf. Über das „Schreiben nach Gehör“ habe ich mich ja bereits hier ausgelassen. Aber dennoch kann man den Lehrern und Schulleitern auch nicht alles ankreiden. Der Reihe nach:

Thema Inklusion. Mama notes merkt an, dass es zu wenig Betreuung und pädagogische Förderung für Kinder mit Behinderung gebe. Das stimmt! Aber da können die Schulen, die Lehrer, die Direktoren nichts dafür! Inklusion besteht bisher vor allem als Idee, als wünschenswertes Ziel für die Zukunft. Wir stehen damit ganz am Anfang. Und wie so oft hinkt die Praxis der Theorie hinterher. Niemand weiß genau, wie es funktionieren soll. Eine Freundin von mir ist Sonderpädagogin. Sie wurde vor einiger Zeit an eine Hauptschule „zwangsversetzt“ und betreut dort fünf Kinder mit unterschiedlichsten Behinderungen. Spezialisiert ist sie eigentlich auf Hörgeschädigte. Doch nun betreut sie zwei Schwererziehbare, ein Kind mit Trisomie 21, zwei mit anderen geistigen Behinderungen – alle auf einmal, als könne man alle über einen Kamm scheren… Ihre Meinung dazu ist ganz klar die, dass diese Kinder auf Sonderschulen besser aufgehoben wären, da dort viel besser auf ihre Bedürfnisse eingegangen werden kann. Davon ausgenommen sind natürlich Kinder mit körperlichen Behinderungen, die dem Unterricht ganz normal folgen können. Aber was hat ein geistig behindertes Kind davon, wenn es weiß, dass es nie den Abschluss packen wird wie alle anderen? Also auch an der Regelschule wieder einen Sonderstatus hat? Die Meinungen darüber gehen natürlich stark auseinander und man kann auch nicht für alle Kinder sprechen. Auch ist Inklusion ein sehr weites Feld. Aber die Lehrer und die Schulleitung können an den, zurzeit alles anderen als optimalen Zuständen nun mal nichts ändern…

Thema Einschulung. „Dann hat das System ihr Kind.“ In der Tat ein Satz der Eltern erst mal schlucken lässt, den man aber des öfteren hört. Auch schon gehört: „Ihre Kinder gehören jetzt uns!“ Puh – nicht witzig und auch nicht sehr einfühlsam.

Es stimmt, Schule kann Traumata auslösen – so wie alles andere im Leben. Muss sie aber nicht, nur weil es vielleicht bei einem selbst so war! Ich selber bin ab dem Gymnasium nicht mehr gerne zur Schule gegangen. Ich hatte zum Teil extrem bekloppte Lehrer, bei denen man sich gewundert hat, wie diese auf Schüler losgelassen werden konnten und ich wurde gemobbt. Doch soll ich das jetzt wirklich auf meinen Sohn projizieren? Ich habe Vertrauen, dass ich ihn gut vorbereitet habe. Ganz ehrlich: Ich bin eine verdammt gute Mutter. So! Das kann man sich ruhig mal selber sagen. Mein Sohn hat mehr Selbstbewusstsein als ich in seinem Alter hatte, denn ihm wurde mehr Wertschätzung durch seinen Vater und mich entgegengebracht als mir jemals von meinen Eltern. Er wird das packen, wir haben ihm das Rüstzeug dafür mitgegeben. Man muss ein Kind nicht immer vor allem beschützen. Der beste Schutz sind klare Eltern, ein sicherer Hafen, enge Bezugspersonen mit denen man reden kann. Das alles hat unser Erster. Und ich habe Vertrauen in mein Kind.

Was das Freilern-System angeht: Ich bin froh, dass es das in Deutschland nicht gibt. Auch wenn es in Einzelfällen vielleicht gut funktioniert im Sinne von: Ein Kind schafft einen einigermaßen guten Bildungsabschluss. Doch auch wenn es sich schlimm anhören mag, irgendwann muss sich jeder bis zu einem gewissen Grad in ein bestehendes System einfügen können. In das System Gesellschaft. Man kann eben nicht immer nur das tun, was man gerade will. Spätestens im Berufsleben ist damit oft Schluss. Deshalb finde ich, man sollte dies auch seinen Kindern von klein auf beibringen. Und so blöd sich das anhören mag: Ein guter Schulabschluss ist essentiell wichtig! Zumindest dann, wenn man möchte, dass sein Kind irgendwann WIRKLICH frei ist – nämlich frei in der Entscheidung, was es mit dem Rest seines Lebens anfangen möchte. Ich möchte, dass meinen Kindern irgendwann die ganze Welt offen steht! Sie sollen DANN die Freiheit haben, zu entscheiden, durch welche Tür sie gehen möchten! Auf dem WDR lief vor einiger Zeit bei „Menschen hautnah“ eine Sendung über Freilerner. Was mir dabei auffiel, war, dass es sich bei den drei vorgestellten Familien um eher gut situierte Familien handelte, die zum Teil aus akademischem, wohlhabendem Hause kamen und mit ihrer Kinderschar in großzügig und gemütlich wohnten. Die also selber die freie Wahl hatten, welches Leben sie führen wollten. Und nun das Risiko eingehen, ihren eigenen Kindern diese Freiheit zu verwehren. Ich weiß nicht… schwierig. Ich habe damit ein Problem!

Was Mama notes befürchtet – und ich auch, aber…

Ja, richtig beschissene Lehrer gab es immer! Und ja, die gibt es bestimmt auch heute noch! Ich hatte einen, der statt Chemie zu unterrichten, immer „Mr. Bean“ laufen ließ, einen offensichtlich pädophilen und eine, die einfach nur total gestört war und dazu ausländerfeindlich – nur mal soviel dazu. Hab alles mitgemacht. Und ja, es gibt viel Leistungsdruck, der nicht besser wird, wenn man an ebendiese Lehrer gerät. Wenn man das Gefühl hat, dass die eigene Zukunft von so gestörten Idioten abhängt. Hilfreich ist es dann vor allem, mit dem Kind in Kontakt zu bleiben (siehe oben). Kinder kommen oft besser damit klar, auch mal unfair behandelt zu werden, als Eltern glauben.

Alternative Schulformen scheinen für Eltern oft ein Ausweg aus dem Dilemma zu sein. Doch auch daran glaube ich nicht unbedingt. Montessori hört sich erst mal gut an – finde ich auch. Da habe ich aber auch zu wenig Hintergrundwissen, um wirklich meinen Senf abgeben zu können. Waldorf hingegen… damit bin ich zur Kindergartenzeit meiner Kinder näher in Kontakt bekommen und finde es furchtbar! Jeder der sich mal ein bisschen näher mit den Schriften Rudolf Steiners auseinandergesetzt hat, kann nicht ernsthaft Waldorf-Anhänger werden / bleiben. Es handelt sich nicht nur um eine Pädagogik, sondern um eine antroposophische Ideologie. Es geht dabei um mehr als Holzspielzeug und Bio-Lebensmittel. Kinder werden in Schubladen gesteckt, es geht hoch spirituell zu, die Rede ist von Karma (d.h. ein Kind kann auch gar nicht „gut“ geraten, wenn es aus dem vorherigen Leben ein schlechtes Karma mitbringt). Und rassistisch war Steiner obendrein. Des Weiteren ist Waldorf absolut lebensfern: Man glaubt an Zwerge und Gnome, was sich z.B. in der Auswahl der Bücher in unserem Kindergarten niedergeschlagen hat. Aktuelle Kinderbücher, oder sogar „Wieso Weshalb Warum“-Bücher (uiuiui, rotes Tuch!) sucht man vergebens. Überhaupt spielt Wissensvermittlung eine untergeordnete Rolle… Ich könnte noch ewig weiterschreiben, aber das würde den Rahmen sprengen. Wen das Thema interessiert, kann sich hier ein sehr interessantes (wenn auch langes) Video anschauen, über die Theorien Steiners.

Eltern sind Vorbilder – immer!

Druck, Noten und Vergleiche gibt es immer im Leben. Darauf möchte ich meine Kinder vorbereiten, ihnen die nötige Gelassenheit mit solchen Dingen beibringen. Nicht ihnen alle Steine aus dem Weg räumen und das ganze System von vornherein verteufeln. Kinder lernen auch von ihren Eltern. Sie sehen wie wir mit neuen Situationen umgeben, mit Veränderungen, sie schauen sich ab, wie offen wir Neuem gegenüber sind, wie wir mit Druck, Vergleichen und Niederlagen umgehen. Wenn wir gelassen bleiben, nicht immer alles so ernst nehmen und die Stirn nicht immer in Sorgenfalten legen, stehen die Chancen gut, dass sich dies bei unseren Kinder einprägt und ihnen die nötige Sicherheit vermittelt. Das ist natürlich oft leichter gesagt, als getan – ich weiß! Aber wir sind sonst bereit so viel für unsere Kinder zu tun, dann schaffen wir doch auch das, oder?

Ich wünsche Mama notes und allen anderen Frisch- oder Bald-Schulkindeltern und ihren Kindern einen tollen Start in diesen neuen Lebensabschnitt, viel Neugierde, ganz viel Wissensdurst, nette neue Freunde und eine Riesenportion Gelassenheit! Ommmm…

Advertisements

2 Gedanken zu “„Ihre Kinder gehören jetzt uns!“ (Blogparade)

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s