Bettina von Das frühe Vogerl stellt die Frage, wie umtriebig man im Wochenbett war. Das Thema hat mich in den letzten Wochen auch beschäftigt, deshalb kommt hier nun mein Resümee.

Meine Dritte ist nun sieben Wochen alt und mein Wochenbett damit offiziell beendet. Doch eigentlich war es das schon vorher. Beim dritten Kind hat man wohl einfach nicht mehr die Zeit, Ruhe und Muße wie beim Ersten. Ich erinnere mich daran, dass ich damals jede Störung dieser Zeit – durch Besuche etwa – als fürchterlich empfunden habe und mich am liebsten komplett verkrochen hätte (über meine Stimmung in dieser Zeit habe ich hier schon mal geschrieben). Was die Besuche angeht, war das auch bei der Zweiten und Dritten so. Diese Dinge gehörten aber zu denen, die ich selber auch steuern und beeinflussen konnte. Und das habe ich getan! Wir hatten dieses Mal erst nach vier Wochen den ersten Verwandtenbesuch. Andere Dinge allerdings konnte ich nicht steuern: Das Nachmittagsgewusel, das man eben hat mit zwei älteren Geschwistern, inklusive Lautstärke, Geschwisterstreit und Wutanfällen. Das Abholen der beiden von Hort und Kindergarten – ohne Auto. Laternenfest. Arztbesuche: Zahnarzt mit dem Ersten, Warzenbehandlung mit der Zweiten, Und die Dritte mit ihren U’s ja sowieso. Dinge, die man den Großen nicht sechs Wochen lang verweigern möchte, wie etwa Spielbesuche, Einladungen zum Kindergeburtstag etc. Und dann war da noch der Blog… Texte für Kooperationen u.a. Da kann man sagen: Selber Schuld! Hätte nicht sein müssen. Allerdings ist das für mich eher Abwechslung gewesen und hat Spaß gemacht, neben dem ganzen Baby- und Kinderkram. Insofern also für mich in Ordnung.

Nein, dieses Wochenbett war nicht sechs Wochen lang. Es war nicht durchgehend ruhig und heimelig. Und ja, ich hätte mir das oft gewünscht. Doch beim dritten Kind geht das eben nicht mehr so einfach.

Dennoch: Es gibt Stressquellen, die kann man ausschalten. Ich bin in der Zeit nicht zu Elternabenden gegangen. Es gab – außer gelegentlicher Spielbesuche bei uns wie bei anderen – keine Nachmittagstermine. Und diese auch erst nach vier Wochen. Ich bin nicht zum Laternenbasteln in die Schule gegangen. Ich habe nicht backenderweise in der Küche gestanden vor dem Laternenfest, sondern Brezeln gekauft. Ich habe Besucher vertröstet. Ich habe nicht ständig aufgeräumt. Ich habe mich zurückgenommen, soweit es ging.

Ich habe das Gefühl, das Wochenbett gerät immer mehr aus der Mode. Ich erlebe es z.B. immer wieder, dass Mütter schon zwei Wochen nach der Geburt wieder – mit Säugling – bei Elternabenden auftauchen (natürlich perfekt gestyled). Ich wundere mich darüber immer wieder, denn für mich wäre das furchtbar gewesen. Es scheint ein großer Druck zu herrschen. Man muss so schnell wie möglich wieder funktionieren, das Leben wieder wie gewohnt weitergehen. Ich kann verstehen, dass es Mütter gibt, denen wird es langweilig zu Hause. Denen fällt die Decke auf den Kopf. Die möchten ab und zu unter Leute kommen, z.B. Kaffee trinken und quatschen mit der Freundin. Da ist jeder anders. Es ist alles gut, was einem gut tut. Doch Pflichtveranstaltungen in Schule und Kindergarten? Wünscht sich das wirklich jemand aus freien Stücken? Oder spürt diejenige nur großen Druck – aus was für Gründen auch immer?

Ich finde, auch beim zweiten, dritten oder vierten Kind, sollte man – soweit wie möglich – dem Wochenbett wieder mehr Raum einräumen. Es ist ok, mal nicht perfekt zu funktionieren. Man darf sich mal für ein paar Wochen zurückziehen. Dafür hat doch eigentlich jeder Verständnis, oder? Wer nicht, kann einem eh gestohlen bleiben.

Wie auch immer: Hört auf Euch! Auf Euer Gefühl, auf Euren Körper und auch auf Euer Baby, das Euch signalisiert, wann es ihm zu viel wird.

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4 Gedanken zu “Das Wochenbett ist auch nicht mehr, was es mal war

  1. Du hast recht. Dem Wochenbett wird schon lange nicht mehr die Bedeutung beigemessen, die es eigentlich verdient hat. Früher gab es sogar ein extra Wöchnerinnenbier. Wobei ich kein Bier mag. Für mich waren diese ersten Wochen nach der Geburt bei beiden Kindern sogar jeweils bisher die anstrengendsten, seit ich Mutter bin. In meinem Fall lag das aber weder an dem Druck der Gesellschafs- noch an meinem eigenen Leistungsdruck. Das erste Wochenbett war von einer Ärzteodyssee und mehreren Krankenhaushalten geprägt. Bis endlich mal klar war, was meinem Kinde fehlt. Im zweiten Wochenbett machte ich selbst schlapp. Zwar hütete ich tatsächlich einen Großteil der Zeit mein Bett, aber Chillen und sich kuschelig mit dem Baby einigeln, stelle ich mir anders vor, als zwischen Bett bzw Sofa (das Bett ist im ersten Stock und befand sich damit bei 40 Grad Fieber in einer anderen Galaxie), Klo und Arzt hin und her zu pendeln. Dennoch habe ich jeden schönen Moment intensiv ausgekostet und tue es noch. Schließlich rennt die Zeit schon beim zweiten Kind. Beim Dritten fühlt es sich wahrscheinlich an, als hätte jemand die Vorspulen-Taste gedrückt. Ich glaube, diesbzgl. habe ich schon mal einen Eintrag bei Dir gelesen. Zwecks der organisatorischen Herausforderungen: Als ich mit meiner zweiten Tochter in den Presswehen lag, hat mein Mann im Kindergarten angerufen, um das Anmeldegespräch für meine Große um ein paar Tage zu verlegen. Und zwar auf vier Tage nach der Geburt. Zu dem Zeitpunkt fand ich das noch lustig – habe sogar zwischen den Wehen kurz aufgelacht – und uns heimlich ganz dolle bewundert, dass wir das jetzt beim zweiten Kind gleich so wunderbar gewuppt bekommen, wo beim ersten Kind pure Anarchie herrschte, Diesen Termin haben wir tatsächlich noch wahrgenommen, aber die Ernüchterung folgte schon wenige Tage später. Und zum Thema top gestyled: Wenn ein wirres, notdürftig durch einen fusseligen Haargummi gebändigtes Vogelnest auf dem Kopf, Kuchenkrümel im Mundwinkel, Spucke- und Joghurtflecken auf dem ausgeleierten XXL-Sweatshirt und der Schlabberhose auch in diese Kategorie fallen?

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    1. Liebe Mary, Du hast recht: die Zeit scheint zu rennen. Ich versuche, jeden Moment zu genießen, aber die äußeren Umstände sind eben nicht optimal 😉 Und wenn, wie in Deinem Fall auch noch gesundheitliche Probleme dazu kommen, wird das bisschen Zeit noch knapper…

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      1. 🙂 (Hab es ums Verrecken nicht geschafft, mich über WP einzuloggen, um das „Gefällt mir“ klicken zu können. Bis ich herausgefunden habe, dass es daran liegt, dass ich wordpress.org installiert habe und nicht wordpress.com. Ich scheitere leider oft an Kleinigkeiten. 😉 )

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  2. Ich finde es ebenfalls unverständlich, dass es das „Wochenbett“ in der allgemeinen Wahrnehmung nicht mehr gibt. Für mich nur ein weiterer Ausdruck der stetigen Überforderung von Müttern. Umso schöner, dass Du es für Dich nach Deinen Wünschen gestaltet hast.

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