Wie beschreibt man die Mutterliebe? Was sich zunächst so simpel anhört, ist in Wahrheit verdammt schwer. Denn Mutterliebe ist vielschichtig, hat viele Aspekte und man ringt nach den richtigen Worten um das wohl größte aller Gefühle zu greifen.

Zunächst einmal spüre ich sie oft physisch. In bestimmten Situationen, wenn ich überquelle vor Liebe, verursacht sie so ein ziehendes Gefühl irgendwo zwischen Magen und Kehle (dem Herzen?). Ganz tief innen und manchmal steigt das Ziehen noch weiter nach oben bis hinter die Augen, die sich mit Tränen füllen. Mich würde wirklich interessieren, ob das andere auch kennen? Ich kann nicht behaupten, dass es ein sehr gutes Gefühl ist. Nein, es erinnert eher an Übelkeit, mir ist dann flau.

Mutterliebe beschwert das Leben
Das Glück das Mutterliebe mit sich bringt, ist nicht nur rosarot. Es ist kein pures Glück. Es wird getrübt von Angst und Sorge. Davor, dass etwas passieren könnte, was das Glück zerstört. Ohne Kinder war mein Leben unbeschwerter. Ich war freier und das nicht, weil ich Party machen konnte und tolle Fernreisen. Sondern weil ich nur Verantwortung für mich selbst getragen habe, risikobereiter sein konnte und mein Herz sicher war. Doch nun läuft mein Herz draußen herum (ihr kennt alle diesen Spruch, oder?) und ich habe Angst, dass es einen Riss bekommen oder ganz zerspringen könnte.

Mutterliebe macht Angst
Im neuen Magazin „flow“ gibt es einen Artikel über Gefühle im Allgemeinen. Darin heißt es, dass uns oft die Intensität von Gefühlen Angst macht und darüber hinaus das Gefühl von Verletzlichkeit, das sie wachrufen. Ja, Mutterliebe ist ein sehr intensives Gefühl und kann einem ganz schön Angst einflössen. Und sobald man ein Kind hat, gibt man sein Schutzschild an der Kreißsaaltür ab, bzw. es bekommt innerhalb kürzester Zeit einen dicken Riss. Man ist ab jetzt angreifbar. Und so verletzlich wie niemals zuvor.

Mutterliebe tut weh
Mutterliebe ist ein Gefühl voller Wehmut. Denn es bedeutet von Anfang an auch Loslassen. Das Kind kommt zur Welt und aus der anfänglichen Symbiose befreit es sich dann Stück für Stück. Ziel ist es, dass die Kinder uns irgendwann verlassen, um ein eigenes, selbständiges Leben zu führen. Dieser Gedanke kann einem ganz schön weh tun. Und man wird immer wieder daran erinnert: Bei jedem letzten Mal (letztes Baby, die letzten ersten Schühchen, das letzte erste „Mama“, der letzte erste Zahn usw.). Und bei jedem größeren Wendepunkt, wie erster Kindergartentag, Schuleintritt, Schulwechsel usw. Und man bereitet sich innerlich darauf vor. Man weiß, irgendwann muss man sie ganz gehen lassen. Eventuell ist die Pubertät auch dafür da, dass den Eltern das Gehenlassen leichter fällt, sie sich ebenfalls ein Stückchen lösen wollen und können?

Mutterliebe ist wie ein Hefeteig
All diese intensiven Gefühle – und das schon nur bei einem Kind. Wie ist das, wenn ein oder sogar mehr weitere Kinder dazu kommen? Nathalie Klüver vom tollen Blog „Ganz normale Mama“ hat es mit einem sehr passenden Synonym beschrieben.

„Mutterliebe ist wie ein Hefeteig in einer viel zu kleinen Schüssel.“

Schön, oder? Und sehr treffend. Mutterliebe geht nie aus. Sie muss nie halbiert und geteilt werden, sie wird einfach mit jedem Kind immer mehr. Und so wie die Liebe wächst, wachsen auch ihre Begleiter. Damit man das ertragen kann, gewöhnt man sich aber auch ein wenig an diese negativen Aspekte. Man ist bereits ein wenig geübt im Loslassen und weiß, dass es anders nicht geht, will man nicht in ständiger Angst und Sorge leben. Und auch, weil man weiß, dass es das Beste ist für das Kind. Man ist geübter im Vertrauen, lässt das große Kind vielleicht alleine zur Schule laufen und nachmittags mit Freunden in den Park zum Fussballspielen. Denn was man liebt, muss man gehen lassen können.

Mutterliebe verändert sich
Auch die Mutter nabelt sich also langsam ab, damit ihre Mutterliebe auf Dauer nicht unerträglich wird – für sie und auch für das Kind. Die Liebe zu einem Baby, Kleinkind, Schulkind, Pubertier und schließlich seinem erwachsenen Kind verändert sich: Auch die Mutterliebe wird erwachsen. Sie wird reifer und lässt immer mehr auch wieder Raum für einen selbst.

Es gibt einen Spruch, der all das für mich treffend zusammenfasst:

„Solange deine Kinder klein sind, gib ihnen Wurzeln. Wenn sie groß sind, gib ihnen Flügel.“

Mutterliebe ist bedingungslos und anpassungsfähig…
… und unterscheidet sich dadurch grundlegend von ihrer Verwandten, der Liebe. Ich liebe meine Kinder nicht nur, wenn sie sich gut benehmen. Wenn sie funktionieren  oder sie so sind, wie ich sie gerne hätte. Nein, Mutterliebe ist anpassungsfähig. Ich hasse Fussball – der Erste liebt es. Also organisiere ich Fussball-Nachmittage, einen Fussball-Geburtstag und im Sommer nimmt er teil am Fussballcamp. Ich hasse typischen Mädchenkram wie Prinzessinnen und die Farbe pink – die Zweite liebt all das. Kommt sie nach Hause, zieht sie als erstes ihr pinkes Röckchen an und setzt sich die Krone auf: The princess entered the house. Also besorge ich ihr ein Elsa-Kostüm, Einhörner, Feen und alles was glitzert und funkelt. Ich denke, das wird sich niemals ändern. Dass ich nur möchte, dass es ihnen gut geht. Dass sie glücklich sind. Egal was für Entscheidungen sie im Leben treffen werden, ich liebe sie – bedingungslos. Und das ist vermutlich wirklich das, was Mutterliebe von anderer Liebe unterscheidet. Sie ist selbstlos.

 

Mit diesem Text nehme ich teil an der Linkparty von Wiebke. Wiebke schreibt das schöne Blog „Verflixter Alltag“ und das Thema ihrer Linkparty für Februar lautet Mutterliebe/Vaterliebe. Dort findet Ihr weitere Texte zu diesem schönen Thema – schaut doch mal vorbei!

Und wie fühlt sich Mutterliebe für Euch an?

 

 

Advertisements

15 Gedanken zu “Schrecklich schön – Mutterliebe

  1. Schön gesagt. Man kann es nicht besser beschreiben. Das mit dem flauen Gefühl kenne ich auch. Aber wahrscheinlich verstehen das auch nur Mütter (Eltern). Ich weiß nicht, ob Kinderlose das verstehen. Mutterliebe ist schizophren. Einerseits ist man so oft am Anschlag und wünscht sich eine Pause und gleichzeitig kann man sich nicht mehr vorstellen ohne diese kleinen wahnsinnigen Biester zu sein. 🙂

    Gefällt 1 Person

  2. Wunderschön geschrieben! Ja, Mutterliebe ist vielschichtig und tut auch weh. Diese Angst vor der Abnablung habe ich auch, obwohl es noch sehr lange dauern wird. Doch im Grunde ist es ein Prozess, es gibt viele erste Male und ebenso viele letzte Male, die dann irgendwann die Überhand nehmen werden. Das ist traurig aber zugleich auch schön, zu wissen, dass wir diese kleinen Menschen auf ihrem Weg zu großen und selbständigen Persönlichkeiten begleiten und unterstützen dürfen! Ich danke dir für diesen tiefsinnigen und wunderbaren Text! Liebe Grüße Anna

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s