Ich dachte, ich hätte in den über sieben Jahren Elternschaft schon so ziemlich alles erlebt. Aber nein! In den letzten sieben Jahren war ich nämlich nie so richtig, richtig krank. So mit Fieber und Erschöpfung und einfach nicht können. Nicht funktionieren.

Bis jetzt.

Die Natur hat das schon gut eingerichtet, nicht umsonst gibt es den Spruch Mütter werden nicht krank. Darüber kann ich gerade nur lachen. Seit gestern habe ich extreme Halsschmerzen, kann kaum schlucken. Die Ohren tun weh und ich habe abends/nachts Fieber mit kaltem Schweiß. Und ich habe drei Kinder. Gut, die beiden Großen sind bis nachmittags versorgt in Kindergarten und Schule/Hort. Das ginge irgendwie. Aber das acht Monate alte Baby den ganzen Tag umsorgen. Beim Gedanken daran, bekam ich gestern morgen spontan einen Heulkrampf, so dass auch mein Mann kapierte, dass es mir wirklich so schlecht ging, dass er zu Hause bleiben musste (ja, das war Sarkasmus).

Ein Attest für den Mann?!

Nun war ich eben beim Arzt und habe etwas verschrieben bekommen. Und wollte ein Attest oder so was haben, das mein Mann seinem Arbeitgeber vorlegen kann, da er sich um die Kinder kümmern muss.

„Ein Attest für den Mann?! Also eigentlich gibt es Atteste, wenn die Kinder krank sind und der Mann darum…“

„Ja, aber ich bin ja krank! Und brauche Unterstützung von ihm mit den Kindern.“

„Arbeiten sie?“

„Äh, ich bin in Elternzeit.“

„Aha, Elternzeit… Gut, dann machen wir das so.“

Als ich dann draußen war aus dem Behandlungsraum, meinte er zu seiner Kollegin (und ich glaubte, einen gewissen Unterton wahrzunehmen, doch das war wahrscheinlich nur mein schmerzvernebeltes Hirn): „Frau S. ist zu Hause, kann sich aber nicht um die Kinder kümmern…“ Die beiden verschwanden im Behandlungsraum und ich hörte die Kollegin etwas sagen von „wenn Mütter krank werden, kommen eigentlich die Omas“ oder so. Es kann sein, dass ich das falsch verstanden habe. Es kann sein, dass ich Bruchstücke falsch zusammengesetzt habe und ich diesen Leuten total Unrecht tue. Aber ich glaube es nicht.

Die Kollegin kam wieder und drückte mir den Wisch in die Hand, von dem ich hoffe, dass mein Mann damit etwas anfangen kann und keine Urlaubstage opfern muss, die wir als Familie doch immer so dringend nötig haben.
Ich sagte: „Nicht jeder hat die Großeltern in der Nähe und zur ständigen Verfügung. Das wär schön, ist aber ziemlich lebensfern!“

Gut, das habe ich nicht gesagt. Das hätte ich gerne gesagt, war aber mal wieder nicht schlagfertig genug, zu nett oder was auch immer. Und das ärgert mich fast am meisten.

Dann verließ ich die Praxis und stampfte wütend wie ein Stier zur Apotheke.

Mütter dürfen nicht krank werden

Als Mutter darfst Du anscheinend nicht krank werden. Ein solcher Fall ist nicht vorgesehen. Es wird erwartet, dass man immer funktioniert. Nun ist es aber leider so, dass auch Mütter nur Menschen sind und natürlich auch mal richtig krank werden. Wir haben ein Netzwerk, dieses besteht aber ausschließlich aus anderen Eltern von denen a) meist beide arbeiten und b) man niemandem zumuten kann, dass er sich die Pest selber auch ins Haus holt. Außerdem ist Carlotta mit ihren acht Monaten noch so klein, dass ich sie nicht mal eben so irgendwo hin geben kann (das fände sie, glaube ich, gar nicht so super).

Und an dieser Stelle frage ich mich mal wieder, wie das Mütter in derselben Situation machen, die noch obendrauf alleinerziehend sind??? Vor denen habe ich sowieso den allergrößten Respekt!

Was hätte ich also tun sollen? Zum Kinderarzt gehen, in der Hoffnung, dass er ein Attest ausstellt, auch wenn keins meiner Kinder gerade krank ist? Ich glaube, das würde ich beim nächsten Mal zuerst versuchen.

Die Last der Verantwortung

Noch ein paar Worte zu meinem Mann. Er ist kein Arsch. Er lebt in einer Arsch-Gesellschaft. Die ihn dazu bringt, nicht von Liebe geleitet zu werden. Sondern von Angst. Klar hat er das Recht, in bestimmten Fällen zu Hause zu bleiben. Faktisch ist es aber so, dass er dadurch in Zeitnot kommt und nacharbeiten muss. Wenn es für Projekt xy eine Deadline gibt, möchte er nicht Schuld daran sein, wenn diese nicht eingehalten wird. Als Hauptverdiener spürt er eben auch den Druck, immer funktionieren zu müssen. Das ist traurig. Das alles ist traurig. Keine Mutter sollte ihren Mann auf Knien anflehen müssen, zu Hause zu bleiben, wenn es ihr so dreckig geht, dass sie sich nicht um die Kinder kümmern kann!

Es interessiert mich wirklich sehr, ob ihr schon mal solche Erfahrungen gemacht habt. Was tut Ihr, wenn Ihr so richtig flach liegt und Ihr habt keine Hilfe durch die Großeltern oder sonstige Menschen? Opfert ihr dafür Urlaubstage?

 

 

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9 Gedanken zu “Mütter dürfen nicht krank werden

  1. Oh je! Erstmal wünsche ich dir gute Besserung! Das hört sich ja wirklich übel an.

    Wir hatten mal den Fall, dass ich mich nach einem (kleineren) Autounfall nicht um Kiwi kümmern konnte. Nach ewigem Hin und Her mit der Krankenversicherung (weil mir mein Arzt tatsächlich ein Attest für eine Haushaltshilfe ausgestellt hat und den Job seiner Aussage nach auch mein Mann übernehmen könnte), half aber alles nichts und mein Mann musste Urlaub nehmen. Nach ein paar Tagen, als ich zumindest wieder ein bisschen was machen konnte, kam dann meine Mutter oft vorbei, um zu helfen.

    In der Situation habe ich mich aber auch gefragt, wie das alleinerziehende Mütter schaffen…

    Erhol dich gut!

    Alles Liebe
    Steffi

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  2. Danke, lieb von Dir! Die Möglichkeit einer Haushaltshilfe gibt’s, das stimmt. Ist aber halt ein riesen Aufwand, wie Du ja auch schreibst – und das sogar nach einem Unfall! Bei mir ist es ja „nur“ eine Mandelentzündung mit Fieber. Auch fände mein fremdelndes Baby das nicht so toll, glaube ich. Und ist die überhaupt für die Kinder zuständig, oder wirklich nur für den Haushalt? Der ist mir ja gerade ziemlich egal… Ich hoffe, die Medikamente wirken schnell *seufz*

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    1. Wie das dann genau funktioniert weiß ich auch nicht. Und meine Maus hätte eine „Fremdbetreuung“ auch nicht mitgemacht (und ich hätte das auch nicht gewollt). Aber irgendwie dachte mein Arzt, dass wir das Attest nutzen können, damit mein Mann zu Hause bleibt (quasi als „Haushaltshilfe“). Das war alles merkwürdig, aber wenn das geklappt hätte, wäre es natürlich toll gewesen.

      Ich hab aber jetzt auch schon von einigen gehört, die dann einfach die Kinder krankschreiben lassen, damit der Partner zu Hause bleiben kann. Traurig, dass sowas nötig ist…

      Ich drück dir die Daumen, dass du schnell wieder fit wirst und dich auskurieren kannst!

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  3. Erst einmal schnell gute Besserung. Du schreibst es so richtig: Eine Mutter darf nicht krank werden. Das habe ich auch immer so empfunden und mich noch elender gefühlt. Aber, ich muss gestehen, dass ich dann, wenn es gar nicht mehr ging, meine Mutter zu Hilfe holen konnte. Aber, ich erinnere mich auch, wie ich schlafend auf der Decke auf dem Boden unseres Wohnzimmers gelegen habe und mein Kind immer um mich herum gekrabbelt ist. Das war auch keine Erholung, aber es war das Minimum, das ich für mich tun konnte als gar nichts mehr ging.

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  4. 😦 Ja, man fühlt sich dann noch elender und hat fast schon ein schlechtes Gewissen. Meine Eltern sind zurzeit in Griechenland. Da sind sie immer mal für zwei oder drei Monate, mein Papa ist Grieche. Und die Schwiegermutter ist so schnell nicht hier, sie fährt kein Auto… und überhaupt. Ich hoffe einfach, das war’s dann wieder für die nächsten paar Jahre, bis auch die Kleinste aus dem Gröbsten raus ist.

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  5. Oje, das kenne ich auch. Wir hatten so einen Fall bis jetzt allerdings nur einmal: Als Lena gerade ein paar Monate alt war, ging es mir eines Morgens so mies, dass ich mich nicht in der Lage fühlte, aus dem Bett zu kommen – geschweige denn, mich um die Mädchen zu kümmern. Mein Mann musste Zuhause bleiben; ich glaube, er konnte an diesem Tag Stunden absetzen. Wir haben uns bei unseren Krankenkassen erkundigt, ob denn für solche Fälle irgendein Prozedere vorgesehen ist – aber die Mitarbeiterinnen waren eher befremdet wegen unseres Anliegens. Sinngemäß: „Die Kinder sind nicht krank? Na was wollen Sie dann überhaut von uns?“ Man hat uns ebenfalls den Vorschlag einer Haushaltshilfe unterbreitet, aber die muss im Voraus beantragt werden, und dummerweise weiß ich eben nicht eine Woche vorher, dass ich mich eine fiese Erkältung an Tag X k.o. schlagen wird… Eltern und Schwiegereltern sind bei uns beiden übrigens auch berufstätig. Solltest du das mit der Oma richtig vestanden haben, war dieser Kommentar beim Arzt ja sowas von daneben und absolut realitätsfern.
    Eine gute und schnelle Besserung wünsche ich dir!
    Viele Grüße
    Pia

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  6. *augenroll* Oh Mann, das ist doch echt bescheuert…
    Ja, ich denke, das habe ich beim Arzt richtig verstanden und ich denke außerdem, dass dort beide (weder Arzt noch Kollegin) selber Kinder haben – und keinerlei Empathie. Anders ist das wirklich nicht zu erklären…

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  7. Und Alleinerziehende dürfen absolut nie krank werden! Schonungsloses Kapitel zum Mitfühlen / Solidarisieren bei Christine Finke: „Allein, alleiner, alleinerziehend“

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