Manchmal sind es ganz banale Augenblicke, die einem das eigene Glück vor Augen führen. Zum Beispiel heute als mein Blick auf unsere Kindergarderobe fiel. Jedes Kind hat sein eigenes Fach für Mützen, Schals, Handschuhe und so weiter. Nun haben wir ein drittes dazu gekauft, das noch angebracht werden muss. Und der Anblick dieses dritten Kästchens, das auf dem Boden steht und auf seinen Einsatz wartet, ließ mein Herz kurz vor Freude hüpfen.

Wir haben wirklich drei Kinder!

Nach langen Überlegungen, ob wir dieses Abenteuer tatsächlich wagen sollen, ist die kleine Carlotta nun da und nimmt immer mehr Raum ein – in der Wohnung und in unseren Herzen. Wir rücken gerne zusammen, um ihr einen Platz frei zu machen: An der Garderobe, am Esstisch, im Bett, im Auto. Zu fünft in einer 4-Zimmer-Wohnung geht das auch gar nicht anders. Wir sind Stadtmenschen und haben uns dafür entschieden, wenn es sein muss, mit weniger Platz auszukommen. Was viele Menschen nicht verstehen: Es macht uns (noch) nichts aus. Auch die beiden großen Geschwister nehmen die Kleine bereitwillig auf in ihrer Mitte. Es ist Platz für sie hier bei uns, weil wir es alle wollen!

Die Kinder sind in der Überzahl

Es gibt nun genau so viele Kinderstühle am Esstisch wie Stühle für große Menschen. Das Bücherregal hat drei Fächer und im untersten warten die Wimmelbücher auf Carlotta. Wir haben ein Auto mit großem Kofferraum gekauft, in dem wir drei Kindersitze unterkriegen. Im großen gemeinsamen Kinderzimmer steht ein dreiebiges Hochbett – perfekt für eine Altbauwohnung mit hohen Decken. Noch schläft Carlotta im Schlafzimmer, doch wenn sie so weit ist, ist Platz für sie bei den Geschwistern. Drei Kinder im Alter von etwa acht bis zwei Jahren werden sich ein Zimmer teilen – mit allem was dazu gehört: Streit, Versöhnung, Kompromisse. Sie werden lernen Rücksicht zu nehmen, zu kommunizieren, sich einzufühlen und Probleme zu lösen. Wer genau hat eigentlich festgelegt, dass jedes Kind ein eigenes Zimmer braucht? Ich habe mir bis zu meinem neunten Lebensjahr ein Zimmer mit meiner Schwester geteilt und das war (meistens) schön. Mein Schwiegervater hatte nie ein eigenes Zimmer: mit 16 (!) Geschwistern wohl auch kaum möglich.

Bestimmt werden sie manchmal genervt davon sein, doch ich glaube, dass sie vor allem profitieren. Die beiden Großen sind sich schon sehr nah und Carlotta ist schon jetzt total auf die beiden fixiert – und umgekehrt. Carlotta robbt mittlerweile in einem Affenzahn durch die Wohnung, immer Lennox und Ida hinterher. Sie lacht sich kaputt, wenn die beiden Quatsch mit ihr machen – was die wiederum natürlich super finden. Sie haben ein Publikum! Die drei sind ein Team, sie sind wie eine kleine Gang und – sie sind in der Überzahl hier. Wir Eltern sind da oft nur die Statisten. Es gibt immer jemanden zum Spielen, zum Reden, zum Kuscheln. Und auch zum Streiten, denn auch das muss sein. Bei uns ist es laut, bunt und chaotisch. Und manchmal ist das anstrengend. Doch meistens liebe ich es!

Ruheinseln im Trubel

Wenn ein Kind mal das Bedürfnis nach Ruhe hat, dann machen wir auch das möglich, dann finden wir auch dafür die nötigen Inseln: Lennox hat seinen Schreibtisch im Arbeits-/Gästezimmer stehen. Dort kann er die Tür zu und in Ruhe Hausaufgaben machen. Und manchmal macht er dort auch „sein Ding“, dann wird das Zimmer z.B. mal zum Labor.

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Ida baut sich eine Höhle im Hochbett und hört dort ein Hörspiel oder „liest“ Bücher. Und auch Carlotta wird ihre Inseln finden. Es ist Platz für alle da und nun sind wir also einer mehr und rücken noch mal enger zusammen. Wir machen Platz für dieses kleine neue Menschenkind, über das wir uns alle so sehr freuen, dass es da ist.

Die Enge hat auch ihre guten Seiten: Wir sind auch sonst sehr nah beieinander – im wörtlichen wie im übertragenen Sinn. Auf Dauer ist dieses Wohnen wahrscheinlich keine Lösung, aber noch haben wir es nicht eilig. Als ich das Thema beim Essen anspreche und meine, dass wir ja nicht sooo viel Platz haben und ein ganz schön lauter, chaotischer Haufen sind, strahlt Lennox mich breit an und sagt: „Ja – hier fühlt man sich nie allein!“

Und das ist tatsächlich der perfekte Abschlusssatz…

 

Und wie wohnt Ihr so? Stadt oder Land? Haus oder Wohnung? Eigene Kinderzimmer oder eines für alle?

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12 Gedanken zu “Zusammenrücken – Wohnen mit Kindern

  1. Land – Haus… Und wir sind ja eigentlich auch durch mit der Familienplanung… Zwei Kinder – mehr möchte der schnuppispapa nicht. Vernünftig ist das auch. Aber das Mama-Herz… Und zusammenrücken… 😉

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  2. Ich verstehe dich sehr. Wir wohnen zu viert (Papa, Mama, 2 Jungs im Alter von 9 und 3 Jahren) in einer Dreiraumwohnung (85 qm) mitten in Prenzlauer Berg. Die Jungs teilen sich ein Zimmer, wobei der Kleine auch viel im Wohnzimmer ist und wir ohnehin viel unterwegs sind. Ein Zimmer mehr würden wir nehmen, aber nicht bei den horrenden Mietpreisen. Aber wir sind, wie ihr, Stadtmenschen durch und durch und könnten mit einem Haus auf dem Land nichts anfangen. Wir lieben im Sommer Parks, Spielplätze und Seen und im Winter Theater , Kinos und Museen. Das sind eben die Vorteile in der Stadt, man muss nicht immer zu Hause hocken. Der Platz zu Hause reicht uns deswegen.
    Liebe Grüße, Silvi
    http://www.eckenberlins.com

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  3. Ein toller Post, herzerwärmend und wunderschön geschrieben. Wir wohnen zwar inzwischen in einem Haus mit Garten, da ist wirklich genügend Platz für uns und die Kinder. Trotzdem wollten wir unbedingt, dass alle drei in einem Zimmer schlafen. Die erste Nacht ist noch gar nicht so lange her:
    https://eintietkommtseltenallein.wordpress.com/2016/05/20/sie-schlafen-sie-schlafen-tatsaechlich/
    Und dein Beitrag stimmt mich optimistisch, dass es weiter so klappen wird… 😉

    Viele liebe Grüße
    Pia

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    1. Das finde ich super! Solange es klappt, warum nicht? Bei uns ist es so, dass Ida ihren großen Bruder auch sehr vermissen und sich allein fühlen würde – und umgekehrt nach kürzester Zeit auch. Im letzten Urlaub hatten wir im Ferienhaus ein Zimmer frei, jeder hätte sein eigenes haben können… Nix zu machen, sie haben es tagsüber zum gemeinsamen Spiel genutzt und abends wollten sie dann gemeinsam im anderen schlafen 😍

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    1. Ach wie schön. Sozusagen ein Blick in die Zukunft. Das Spielzeug tausche ich auch gerne mal aus, da könnte ich eigentlich auch mal was zu schreiben.
      Ich merke immer öfter, dass wir scheinbar doch nicht die Aliens sind, für die wir uns gehalten haben. Es machen doch einige so wie wir ☺

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  4. Wir wohnten zu 5. und zwei Katzen in einer Stadtwohnung mit 80 qm. Es war kuschelig, aber wurde dann doch beengt. Es war kein richtiger Altbau, wo man mit der Höhe noch spielen kann.
    Jetzt wohnen wir in einem Häuschen. Derzeit nutzen wir knapp 100 qm. Ein großer Raum wartet noch auf die Fertigstellung. Aber die 100 qm reichen uns auch schon. Die Kinder haben zusammen ein Zimmer. Und das ist schön so. Sie mögen das. Und wenn ich ehrlich bin, macht es mir auch nichts bei den Kindern zu schlafen, wenn sie krank sind. Das ist sooo gemütlich. Wir haben auch ein starkes Zusammengehörigkeitsgefühl.
    Ich selbst habe mir ein Zimmer mit meiner jüngeren Schwester geteilt, bis ich 16 war! Das hat uns überhaupt nicht gestört. Wir fanden es sogar komisch, als wir umzogen und eigene Zimmer bekamen. Die lagen sich zum Glück gegenüber und wir haben immer die Türen offen gelassen.
    Platz ist in der kleinsten Hütte. Raum kann man sich auch auf andere Art geben. Und nichts ist schöner, als dieses Wir-gehören-Zusammen-GEfühl.

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    1. Juhu, es werden immer mehr! Ich freu mich, dass wir nicht allein damit sind, dachte schon, wir sind was komisch 😉 80 qm ist wirklich sehr klein für 5 Personen und dann noch Haustiere. Wir haben auch 100 qm und sogar ein kleines Gärtchen und eine Terasse, was ich im Sommer sehr schätze.

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  5. 80 qm mit vier Personen. Die Kinder haben aber jeder ein eigenes Zimmer, wegen dem Altersunterschied von 8 ! Jahren.
    Wenn das dritte dann kommt, möchten wir gerne in ein Häuschen. Hach, eure Wohnsituation hört sich wirklich kuschelig an.

    Liebe Grüße Melanie

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