Fast ein Jahr liegt die Einschulung meines Sohnes nun hinter uns und die nächste Generation ABC-Schützen steht bereits in den Startlöchern. Wir sind mittlerweile gut angekommen im neuen Alltag mit Schulkind. Doch ich weiß noch genau, welche Sorgen und Ängste ich hatte. Die meisten waren bei uns unbegründet. Andere Dinge wiederum hatte ich zuvor gar nicht auf dem Schirm und musste mich erst einmal daran gewöhnen.

Schule ist eine andere Welt – und oftmals nicht die modernste. Worauf sollten sich Bald-Schuleltern einstellen – auch wenn natürlich jede Schule anders ist und ich nur von meinen persönlichen Erfahrungen berichten kann?

  • Zettelwirtschaft – Die Schule ist oftmals noch nicht in der Gegenwart angekommen. Das merkt man u.a. daran, dass es keinen Mail-Verteiler gibt. Informationen werden via „Ranzenpost“ versendet. Diese Art der Kommunikation hat ihre Tücken. Sie basiert nämlich auf dem Ordnungssinn und dem Gedächtnis eines i-Dötzchens. Somit kann es passieren, dass man sein Kind schon mal an einem Brückentag zur Schule schickt. Wobei man sich merken kann: Alles was irgendwie, eventuell und vielleicht frei sein kann, ist auch frei. Brückentage zählen schon mal dazu.
  • Letzte Schultage – Genauso wie die Freitage vor den Ferien. Man weiß nicht genau warum, aber scheinbar brauchen Grundschullehrer an letzten Schultagen Freitage, die bereits nach der 3. Stunde enden. Immer.
  • Informationspolitik – Erwartet nicht, dass jemand Rücksicht darauf nimmt, dass ihr vielleicht beide arbeitet, mehrere Kinder habt und/oder keine Großfamilie im Rücken: Alle Termine werden maximal drei Tage im Vorraus angekündigt – das gilt als ausreichend Organisationszeit. Natürlich per Zettelwirtschaft, s.o. Da kann man froh sein, wenn man wie wir, eine Klassenlehrerin hat, die bemüht ist, uns Eltern schon mal frühzeitiger vorzuwarnen.
  • Eltern-Einsatz – Es ist schön, wenn eine Schule bemüht ist, ihren Schülern auch mal was Besonderes zu bieten. Doch es geht so gut wie nie ohne Elternhilfe… Wer kann den Zoobesuch begleiten? Wer kann beim Spiele-Sport-Fest aushelfen? Wer kann bei der Einschulungsfeier Kuchen backen und am Stand aushelfen? Wer kann vormittags diese oder jene Bastelaktion mit betreuen… usw. Es scheint eine Lebensaufgabe zu sein und jedes Mal nein sagen, mag man auch nicht…
  • Arbeitszeit der Sektretärin – Endet um Punkt 13 Uhr. Vermisst man dann z.B. noch ein Kind, das nicht nach Hause gekommen ist, tja nun. Wurde das Kind von den Hortbetreuern nicht abgeholt? Tja nun… Für letzteren Fall sollte man das Kind vorher instruiert haben. Vielleicht hat es einen Notfall-Schlüssel im Ranzen oder man hat den Weg zum Hort mit ihm geübt, so dass es auch alleine laufen kann. Ist auf jeden Fall immer sinnvoll. Je selbstständiger das Kind ist, desto besser. Ich muss vielleicht dazu sagen: Unsere Schule ist keine OGS, was heißt, sie sieht sich nicht in der Pflicht, sich nach Schulschluss für die Betreuung der Kinder zu interessieren. Das ist, neben anderen, ein Grund dafür, warum Ida nicht bereits nächstes Jahr eingeschult wird. Wir möchten noch ein wenig Eidideidi-Betreuung für sie.
  • Betreuungsprobleme – Hortbetreuung. Nun ja. Ich sag mal so: Ergibt sich aus vorherigem Punkt. Es gibt da bestimmt Unterschiede, aber im Großen und Ganzen ist Hortbetreuung wohl eher nicht mit dem Kindergarten vergleichbar. Ist man wie wir eine Elternini gewöhnt, muss man sich ziemlich umgewöhnen. Da steht das Kind schon mal 30 Minuten unabgeholt vor der Schule. Oder um 13:30 Uhr plötzlich zu Hause vor der Tür, obwohl Horttag ist, es aber nicht abgeholt wurde und nicht wusste, was es tun sollte. Gut, wenn man als Mutter dann gerade zu Hause war.
  • Das wahre Leben – Bevor Lennox in die Schule gekommen ist, war er ziemlich behütet. Im Kindergarten waren wir in einem kleinen, ausgewählten Kreis von überwiegend heilen Familien. Wo niemand seine Kinder schlägt und Bedürfnisorientierung kein Fremdwort ist. In der Schule mischt es sich natürlich nun mehr: Da gibt es die misshandelten Kinder. Die Vernachlässigten. Doch das ist nicht unbedingt schlecht. Irgendwann muss ein Kind auf das wahre Leben vorbereitet werden, um damit klar zu kommen.
  • Pädagogisches und Bewertung – Nun ja, Schule basiert auf Bewertung. Auch wenn es im 1. Schuljahr noch keine Zeugnisnoten gibt, findet Bewertung ständig statt: Es gibt Lesetests, an deren Ende eine Prozentzahl genannt wird. Es gibt jede Woche eine Belohnung für das Kind, das am leisesten war. Die Brotboxen werden von der Lehrerin bewertet – „Kind XY hat eine tolle Brotbox, aber Kind AB hat Schokolade dabei, das ist nicht so gut.“ Im Sportunterricht werden Gruppen noch so eingeteilt, wie ich es als Kind schon total furchtbar fand, weil ich nie eine Sportskanone war: zwei Kinder wählen abwechselnd ihre Mannschaftsmitglieder. Vielleicht findet Ihr das alles nicht so schlimm, aber ich muss mich da noch immer dran gewöhnen…
  • Verschwundene Sachen – Es fehlen ständig Sachen: die Regenjacke, die Mütze, Stifte, Radiergummis, Spitzer. Und sie tauchen nie wieder auf… Rein theoretisch gibt es eine Fundkiste für verlorene Klamotten, nur: mein Sohn weiß gar nicht genau wo die steht, hat sie noch nie gesehen… Also besser keine teuren Sachen mitgeben. Ich hoffe außerdem, dass dies mit der Zeit besser wird. Ich glaube, bereits zu erkennen, dass mein Sohn besser darin wird, auf seine Sachen zu achten. Es ist schon länger nichts mehr abhanden gekommen.

Es ist eine Umstellung. Doch das Wichtigste ist wohl, wie das Kind die Schule empfindet. Und da haben wir riesiges Glück: Lennox liebt die Schule, hat keine Probleme und geht extrem gerne hin. Ich hoffe, es bleibt so und dass es so auch bei Euren Kindern sein wird!

 

Fällt Euch noch mehr ein, worauf Erst-Schuleltern sich einstellen sollten?

 

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3 Gedanken zu “Schulstart: Wissenswertes für Neu-Schuleltern…

  1. Super Artikel! Vor meinem Hasenbuben liegen noch 2 Jahre Kindergarten und irgendwie bin ich da auch ganz froh – vor allem wenn ich das so lese! 😉
    Danke fürs teilhaben – ich werds mir dann, wenns soweit ist, ins Gedächtnis rufen und hoffentlich entsprechend gelassen reagieren! 🙂

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  2. Ich stimme dir zu, muss aber auch aus Grundschullehrerinnen-Sicht ergänzen.

    Die Zettelwirtschaft ist ein Desaster. Nicht nur für die Eltern!
    Es mag moderne und gut organisierte Schulen geben, habe ich auch schon kennen gelernt. Aber oft ist es auch anders.
    Lustigerweise sind oft Schulen im Brennpunkt auf recht modernem Stand auch mit den Medien. Leider sind es da die Eltern nicht und man MUSS auf Zettel zurückgreifen. Die Rundmails kommen nicht bei allen an.
    Aber oft ist es auch so, dass die Schulen noch so uralt Computer haben, oder so uralt Sekretärinnen (die auch nur 2 Tage die Woche da sind), die keine Rundmail schicken können. Und bevor man dann als Lehrer, der kurz vor knapp die Zettel hingelegt bekommt den eingescannt hat und rundgemalt hat, ist die Post schon schneller im Ranzen unterwegs. Furchtbar!

    Allerdings gibt es auch Eltern, selbst wenn man die Zettel Wochen im Voraus verteilt, keine Reaktion zeigen, oder die benötigte Unterschrift nicht wieder abgeben. Müüüühsam! Das Hinterherrennen hält den Lehrkörper vom lehren ab.

    Wenn Geld eingesammelt werden muss, dann macht das auch der Klassenlehrer, weil, wie du so schön sagtest, das Sekretariat sehr übersichtlich besetzt ist. Und selbst wenn dort eine Sekretärin sitzt, die fühlt sich (wahrscheinlich zu Recht)nicht zuständig solche Aufgaben zu übernehmen.
    Also sitzt du da an mehrere Morgen in der Klasse und kannst die erste Stunde keinen Unterricht machen, weil die Eltern kleckerweise ihre Umschläge abliefern. Oder noch GEld gewechselt haben müssen. Ich kann die Eltern verstehen, die zwischen Job und Familienorganisation auch unter Zeitdruck stehen. Aber von den Lehrern wird eben auch immer verlangt, dass sie sich um alles kümmern UND noch den super super mega Unterricht machen, Horror.

    Schulorganisation ist eine Katastrophe!

    Das mit dem nur 3 Stunden vor Feiertagen oder so kann ich nicht bestätigen. An diesen Tagen waren meine Kollegen und ich meist nochmal besonders lang in der Schule, um in Ruhe noch was weg zu arbeiten.

    Ohne die Mithilfe der Eltern geht in der Grundschule nichts. bzw ich mochte den Kontakt zu den Eltern gerne. Wenn man sich ein bisschen kenngelernt ist das für die Zusammenarbeit sehr hilfreich. Außerdem haben Lehrer ein wachsenden Bürokratieberg abzuarbeiten. Wenn man als Lehrer richtig engagiert arbeitet, dann hat man auch ziemlich lange Tage. Selbst wenn man will, man kann die Extra-Termine nicht zusätzlich alleine organisieren. Es ist zu viel. Und ohnehin geht zu viel Zeit für Sachen drauf, die mit der eigentlichen Aufgabe eines Lehrers rein garnichts zu tun haben. Bürokratie an allen Ecke und enden. Viele Grundschulen sind zudem ohne Schulleitung. Das will ja keiner mehr machen bei dem mittlerweile sehr umfangreichen Aufgabenbereich (Bürokratie, Bürokratie, Bürokratie). Ich könnte da Sachen erzählen….
    Das Beamtensytem gehört reformiert!
    Jedenfalls aus meiner Sicht. Vielleicht gibt es auch Kollegen, die das anders sehen.
    Lehrer ist ein toller Job.
    Aber ICH kann so nicht arbeiten 😀

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    1. Vielen Dank für deinen Kommentar aus Lehrersicht. Ja, ich denke, für die Lehrer ist diese furchtbare Schulorganisation auch oft schwer zu ertragen und macht einen eigentlich schönen Beruf sehr viel weniger schön. Ein Perspektivwechsel hilft manchmal 🙂

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