Heike vom Elternhandbuch hat mich eingeladen, an der Blogparade „Baby? Nein, danke! Warum ich große Kinder so sehr liebe!“ teilzunehmen. Da ich zu dem Thema etwas zu sagen habe, mache ich gerne mit.

Ich bin eine Kindergarten/Schulkind-Mama

Carlotta ist fast neun Monate alt und hat unseren Alltag, mit zuvor zwei schon recht selbstständigen Kindern, ziemlich durcheinandergewirbelt. Seien wir ehrlich: Das erste Babyjahr ist nach maximal fünf Monaten nicht mehr so rosarot und spannend… Finde ich jedenfalls. Füttern, Schlafen, Bespassen. Fremdbestimmung – in Endlosschlaufe.

Bevor sie geboren wurde, hatte ich ein großes Stück Freiheit zurückgewonnen: Einen Job, der mir Spaß machte. Kinoabende. Restaurantbesuche mit dem Mann. Zweisamkeit. Ich habe überlegt, welches Instrument ich denn noch mal lernen könnte. Lennox konnte ich alleine duschen schicken – „mach mal“, Ida war schon lange trocken, wir waren mit leichtem Gepäck unterwegs, beide putzten sich selber ab, streichen sich ihre Brote, zogen sich an und ich stand nur noch delegierend daneben. Am Wochenende konnten wir ausschlafen, die beiden durften sich selber einen Joghurt aus dem Kühlschrank holen, dann spielten sie schön im Kinderzimmer, hörten ein Hörbuch oder malten und erzählten sich was. Schön war das. Das Leben fühlte sich wieder leichter an. Lennox und Ida sind mit sieben und vier Jahren nun so alt, dass wieder viel möglich wäre. Manchmal denke ich nachmittags bei gutem Wetter: Jetzt die beiden schnell ins Auto packen und noch für ein Stündchen an den nächsten See, Lennox kann mittlerweile schwimmen – das wär’s! Oder in den Wald, in die Natur, die Becherlupen eingepackt, das Bestimmungsbuch und ein kleines Picknick. Einfach rumstromern, Staudämme bauen, dann zurück nach Hause, mit dreckigen Füßen und dieser zufriedenen Schwere nach einem Tag an der frischen Luft, vorlesen und ins Bett. Ganz unkompliziert.

Ich ertappe mich oft bei dem Gedanken, oder dem Gefühl, dass ich auf etwas warte. Ich warte darauf, dass das alles wieder möglich ist. Ja, ich kann es manchmal kaum erwarten, dass das erste Babyjahr vorüber ist. Oder eigentlich die ersten zwei, denn ab da wird es erfahrungsgemäß wieder einfacher. Auf der andern Seite habe ich das Gefühl, die Zeit fliegt, fliegt mir davon und lässt mich wehmütig hinterherschauen…

Dennoch: Dann glaube ich, ich bin keine Baby-Mama.

Ich bin eine Baby-Mama

Und dann gibt es Tage, da ist das Wetter mies und die Stimmung auch. Dann habe ich den beiden Großen gegenüber ein schlechtes Gewissen, weil ich nichts unternehmen mag. Und dann ist da Carlotta, die noch so genügsam ist, Hautpsache sie ist trocken und satt. Die die Wohnung erkundet, alles spannend findet und mich verzaubert mit ihrem Lachen und ihren Patschehändchen. Die so wunderbar nach Baby duftet, so dass ich ständig an ihrem Köpfchen schuppern muss und die mich stolz angrinst, wenn sie wieder mal etwas Neues geschafft hat. Und ich denke: Oh, werde doch nicht so schnell groß! Mit der ich durch die Stadt laufe, durch den Park während sie die Welt vom Kinderwagen aus bestaunt. Sie liebt das und fühlt sich dabei so wohl, dass wir stundenland gehen können, bis irgendwann die Müdigkeit kommt und sie wegschlummert. Carlotta, die das Wasser liebt und beim Baden so quietschvergnügt rumstrampelt, dass es nur so spritzt. Die ich im Schwimmbad nah an mich drücken kann, Haut an Haut, so klein und kompakt und genau passend in meinem Arm.

Dann glaube ich, ich bin eine Baby-Mama.

Ja, was denn nun?!

Ich glaube, man ist nie nur eine Sache: Stadt- oder Landmensch, analog oder digital, tierlieb oder nicht, Einzelgänger oder nicht … Man ist immer die Summe seiner Erfahrungen und oft gegensätzlichen Gefühle. Man hat viele kleine Funken und Fitzelchen ins sich, die zusammen das große Ganze ergeben. Darum gibt es Tage, an denen bin ich eine Babymama. Und Tage an denen bin ich es nicht. Allerdings werden die Tage, an denen ich es nicht bin, immer mehr. Je größer Carlotta wird, desto größer wird mein Freiheitsdrang. Das hat vielleicht auch etwas zu tun damit, dass sie unser letztes Baby ist. Die wiedergewonnene Freiheit ist zum Greifen nah und sie wird dieses Mal bleiben und immer größer werden. Und ein bisschen ist es vielleicht auch Selbstschutz. Weil man sich das selber schön reden muss, denn: Es wird kein Baby mehr geben in diesem Haus… *schluck*

Wie auch immer: Ich versuche das Hier und Jetzt zu genießen. Und ich freue mich auf das, was noch kommen wird, mit drei großen Kindern, mit drei erwachsenen Kindern, vielleicht hoffentlich vielen Enkeln an deren Köpfen ich dann wieder schnuppern darf.

 

Und wie ist das bei Euch? Seid Ihr Baby-Mamas oder -Papas? Noch mehr Texte zum Thema findet Ihr beim Elternhandbuch!

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2 Gedanken zu “Bin ich eine Babymama? #babyfrage

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