Oder: Ich tauch dann mal ab!

Es ist Wochenende und das bedeutet oft ein fröhliches gewitztes Versteckspiel zwischen meinem Mann und mir.

Es beginnt vielleicht damit, dass ich das morgendliche Chaos aus drei tobenden Kindern in unserem Bett verlasse und mich ins Hochbett im Kinderzimmer verkrümel. Es ist sogar schon vorgekommen, dass ich mich im mittleren Bett des dreigeschossigen Bauwerks versteckt habe, da dauert es länger, bis man gefunden wird.

Es kann vorkommen, dass ich mich dann nach dem Aufstehen mit meinem Kaffee still und heimlich auf den Balkon verkrümel und die Tür hinter mir schließe. Von hier ist das Toben und Streiten der Kinder weniger laut zu hören und „Maaaama!“-Rufe werden einfach ignoriert, bis daraus Papa-Rufe werden. Manchmal schaffe ich es, so fünf Minuten für mich herauszuschinden, bis mich irgendwer findet (oft der Mann). Dann begebe ich mich also zurück ins Tohuwabohu.

Dann verkündet der Mann plötzlich: „Ich geh in die Stadt und bringe meine Hemden zur Reinigung!“ Und zack – ist er auch schon aus der Tür, bepackt mit seinem Hemdensack. Nun bin ich auf der einen Seite froh, dass sich jemand anders um die beknackten Hemden kümmert, doch beschleicht mich das Gefühl, dass der Gang zur Reinigung für den Mann durchaus noch einen anderen Zweck erfüllt. Das dauert nämlich manchmal ganz schön lange und oft fällt ihm dann unterwegs noch dieses oder jenes ein und er kommt z.B. mit einem neuen Buch nach Hause zurück und mit viel zu guter Laune.

Kaum ist der Mann zurück, sage ich dann: „So, ich geh dann mal baden!“ Und zack – verschwinde ich – bepackt mit Zeitschriften, Buch und Handy – ins Bad und lasse das Wasser ein. So ein Bad kann dann auch schon mal zwei Stunden dauern.

Zurück auf dem Trockenen, verkündet der Mann entweder: „Ich geh mal zum Friseur“ oder „Ich muss mir noch ne Hose/ein  Hemd/Schuhe/T-shirts usw. kaufen“. Und weg ist er wieder. Ich gebe zu – er stellt es geschickter an als ich, indem er das Haus verlässt.

Sind wir dann wieder beide zu Hause, kann es solche Momente geben wie dass Carlotta schläft und die beiden Großen versunken spielen. Dann schleichen der Mann und ich uns beide davon – er z.B. ins Wohnzimmer mit seinem Buch und seiner Musik, ich ins Arbeitszimmer an den PC, um z.B. zu Bloggen. Lange geht auch das meist nicht gut, dann fällt den Kindern auf, dass Mama und Papa sich ja so gar nicht kümmern und zack – steht mindestens ein Kind neben meinem Schreibtisch. Dieses bekommt dann eventuell von mir zugeraunt: „Ich kann gerade nicht, aber geh mal zum Papa!“ Dieser hat das Spiel mittlerweile aber auch durchschaut und schickt das Kind oft wieder zurück.

Der Mann legt tagsüber gerne das Baby schlafen und ich habe das Gefühl, dass er oft länger dort bleibt und einige ruhige Minuten mit dem Handy genießt.

Dafür bleibe ich gerne abends noch länger als nötig bei Ida im Kinderzimmer liegen. Wenn sie schon längst schläft und der Mann währenddessen das Baby schlafen legt und sich dann um den Großen kümmert, der später schlafen geht, lese ich mich auf dem Smartphone durch diverse Blogs und klicke mich durch Instagram-Fotos. Kann ja mal sein, dass die Einschlafbegleitung länger dauert, oder man selber dabei einnickt, weil das Versteckspiel den ganzen Tag über so anstrengend war.

Bloß raus aus der Bude!

Am meisten mag ich die Wochenenden, an denen wir viel unterwegs sind und Ausflüge machen. Denn das bedeutet Interessantes für alles Beteiligte, die Kinder sind beschäftigt und zufrieden, Zuständigkeiten klar, keiner kann sich davonstehlen etc. Klare Absprachen zu Hause fallen uns dagegen zurzeit schwer. Besser wäre oft ein: „Du, ich würde gerne mal ne Stunde schreiben, kannst Du die Kinder übernehmen?“ oder ein „Du, ich brauche gerade mal Ruhe und würde gerne was Musik hören.“ Alles andere führt manchmal nur zu Frust bei allen.

Kennt Ihr das auch? Was für Strategien habt Ihr so entwickelt, um ein bisschen Me-Time herauszuschinden? Und ist das befriedigend oder führt es eher zu Frust zwischen Euch und Eurem/Eurer PartnerIn?

 

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5 Gedanken zu “Versteckspiel

      1. Ich gehe prinzipiell so gut wie nie allein. Und dir Tür ist auch immer offen. Wenn dann aber mein mann da ist, bestehe ich drauf. Da kanns sogar vorkommen, dass ich zusperre. Das nennt man dann auch „mutig“.

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  1. Oh das kenne ich gut😉! Nur ist mein Mann der, der beim Versteckspielen meistens gewinnt! Ich ziehe irgendwie immer die A….- Karte, weil ich mich gar nicht erst vetstecke, sondern dem Spiel einfach seinen Lauf lasse. Mann weg (oder schlimmer noch- physisch da aber mental abwesend!), Mama da, ist halt so. Grundsätzlich verlasse ich nur zum arbeiten oder nur mit den Kids das Haus- mit Ausnahmen versteht sich. Wenn mit aber dann doch alles etwas zuviel wird, ja dann klage ich lautstark Zeit für mich ein. Vielleicht etwas zu deutlich, aber wenigstens kommt mein Hilfeschrei dann an😉.

    Gefällt 2 Personen

  2. Da mein großer (5 Jahre) seit zwei Monaten ohne mittagsschlaf in der Kita auskommen „muss“, hat er nachmittags oft schlechtes Laune. Nun könnte ich ihn natürlich nach der Kita hinlegen, aber irgendwann muss er ja lernen, ohne schlafen auszukommen, da er nächstes Jahr eingeschult wird.
    Und wenn ich mit dem kleinen (3 Monate) zuhause bin komme ich auch selten zur Ruhe.
    Um spätestens 14.30 Uhr holen wir den Großen aus der Kita und danach machen wir jetzt immer eine Stunde gemeinsame Ruhezeit.
    Das heißt, er darf auch mal nen Film sehen oder eine Runde auf dem Handy spielen. So kommt er etwas runter und auch ich komme zur Ruhe, wenn der kleine auch mitspielt, was er meistens macht.
    Ab und zu funktioniert es auch, das der große sich alleine im Kinderzimmer beschäftigt und ich mich etwas aufs sofa legen darf.
    So hat jeder seine Auszeit und wir sind danach gut gelaunt.

    Gefällt 1 Person

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