(mit #Verlosung ganz unten)

Astrid Lindgren ist ja so etwas wie die heilige Kuh der Kinderliteratur: Sie wird bis heute hoch geschätzt und verehrt und ihre Bücher rufen in uns eine ganz bestimmte Bullerbü-Sehnsucht hervor. Meine Generation vergibt Namen an ihre Kinder, die diese Sehnsucht wiederspiegeln: Lasse, Ole, Lotte / Lotta, Ida, Michel, Mattis… Namen, die nach Freiheit, Latzhosen, dreckigen Kinderfüßen, aufgeschrammten Knien und Streichen klingen. Die nach Sommerwiese duften und nach Kirschen schmecken. Namen, die wiederspiegeln, was für eine Kindheit wir unseren Kindern wünschen: Eine, die die meisten von uns ihnen heute nicht bieten können, da die meisten von uns eben in keinem Bullerbü leben.

Diese Sehnsucht wird gestillt durch Astrid Lindgrens Kinderbücher. Sie sind noch immer hoch angesagt, obwohl es wunderbare, neuere Bücher für Kinder gibt. Doch Bücher werden – zumindest in den ersten Jahren – eben nicht von Kindern gekauft, sondern von den Eltern. Und ebenso sind sie diejenigen, die entscheiden, welche Sendungen Kinder anschauen dürfen. Darum fällt die Wahl eben oft auf die der eigenen Kindheit, weil man ein positives, nostalgisches Kindheitsgefühl damit verbindet. Löwenzahn ist ein solch zeitloser TV-Klassiker, den auch ich noch immer mit meinen Kindern schaue – natürlich mit Peter Lustig und nicht mit Fritz Fuchs. Pffft – versteht sich von selbst…

Pippis tiefer Fall

Als ich vor einigen Jahren mit meinem Sohn Pippi Langstrumpf wiederentdeckte, passierte allerdings etwas Trauriges: Ich stellte fest, dass ich erwachsen geworden war. Pippi fand ich nicht mehr sooo witzig, oft sogar fies und gemein zu anderen. Und dumm – kein Wunder, wenn man nicht in die Schule geht. Vor allem aber fiel mir Annika auf – boah, hat die schon immer so genervt? Annika, die immer die Regeln befolgt, oder zumindest darauf aufmerksam macht. Die immer Angst hat, weint, kreischt und immer höflich ist. Die immer auf Reinlichkeit achtet, darauf, dass alle saubere Hände und Ohren haben. Annika, die immer die Brote schmiert, wenn die Kinder einen Ausflug vorbereiten, wie Fadenvogel in ihrem Blogpost passend festgestellt hat. Die immer so ist, wie ein Mädchen sein sollte: brav, höflich, sauber und leise. Annika – der Albtraum jeder Feministin. Selbst Tommy hat dann meist auch nur ein Augenrollen für sie übrig und ein gönnerhaftes „Ach, Annika…!“

Wobei man durchaus relativierend hinzufügen könnte, dass Annika nicht Identifikationsfigur der Geschichte ist, sondern eben die unangepasste, freche Pippi – sowohl für Mädchen als auch für Jungs. Doch Pippi wird eben auch nicht als „echtes“ Mädchen wahrgenommen. Sie ist eine Kunstfigur, jemand, den es in Wirklichkeit gar nicht gibt. Das „richtige“ Mädchen ist Annika.

Rollenbilder in Bullerbü

Dieser relativierende Aspekt fehlt anderen Kinderbüchern Astrid Lindgrens komplett. Auch dort fallen mir immer wieder Rollenstereotype auf und Frauenbilder, die heute so gar nicht mehr gehen. Vor einiger Zeit stand ich in der Buchhandlung und wollte den Kindern mal ein schönes neues Buch kaufen. Ich nahm „Die Kinder aus der Krachmacherstraße“ und „Die Kinder von Bullerbü“ mit nach Hause. Beide Bücher kannte ich noch nicht und so wollte ich diese Wissenslücke bei mir schließen und meinen Kindern gleichzeitig etwas Gutes tun. Astrid Lindgren – da kann man ja nix falsch machen… Doch es kam, wie es kommen musste: Beim Lesen stolperte ich immer wieder über Stellen, die mir schwer über die Lippen kamen. Und auf die Stellen an denen „Neger“ und „Sklaven“ vorkommen, gehe ich jetzt mal gar nicht weiter ein – die habe ich z.T. einfach großflächig übersprungen. Ich meine eher fragwürdige Erziehungsmethoden („Kinder sind ein Pack, sie müssten jeden Tag Prügel kriegen.“) und hier denke ich auch an den armen Michel aus Lönneberga, der jeden Tag von seinem Vater im Schuppen eingesperrt wird. Und ich meine Rollenbilder (z.B. „Jungen können kein Geheimnis haben“ = die Mädchen blicken es sofort, weil sie viel klüger sind. Und weil sie so klug – und hinterlistig – sind, beobachten sie die Jungs genau, während sie nur so tun, als würden sie mit ihren Puppen (!) spielen.). Was mir ebenfalls auffällt, ist, dass es immer Jungs gegen Mädchen geht. Ein Miteinander scheint meist nicht so richtig möglich. Ein Beispiel aus „Die Kinder aus Bullerbü“, wo die Jungs sich in Geheimsprache unterhalten:

Wir fragten, was sie damit meinten, und da sagte Lasse, es wäre eine besondere Sprache, die nur Jungs verständen. Es sei für Mädchen viel zu schwer. „Haha“, sagten wir. „Ihr versteht es ja selber nicht.“ „Natürlich tun wir das“, sagte Lasse. (…) „Und dann hat Ole geantwortet: Sicher, sicher! Und schließlich sagte Bosse: So ein Glück, dass die Mädchen das nicht verstehen.

Mir fiel das auf, nachdem ich meinen Kindern ein paar Mal eine Bullerbü-CD angemacht habe und plötzlich feststellte, dass sie dieses Jungs-gegen-Mädchen-Ding übernahmen. Plötzlich hieß es „Jungs/Mädchen sind scheiße/dumm etc.“, wo so etwas zuvor bei uns noch niemals Thema war und Lennox und Ida immer sehr gut miteinander gespielt hatten. Die CD wanderte schnurstracks in den Müll…

Neue Bücher für neue Familien

Ich überlege, wie das denn ist, in Büchern die ich sonst noch toll fand als Kind. Spontan fallen mir die Fünf Freunde ein mit Ann – der ewig ängstlichen, sorgengebeutelten weiblichen Identifikationsfigur der Geschichten. Hier gibt es als Gegenpol aber immerhin George, die viel lieber ein Junge wäre und auch so aussieht. Nicht so bei TKKG: Hier heißt das typische Mädchen Gabi. Sie ist sanftmütig und hübsch und der Obermacker Tim ist natürlich verknallt in sie und ständig damit beschäftigt, sie zu beschützen.

Ich gehe das Bücherregal mit meinen alten Lieblingsbüchern durch: Hanni und Nanni, Dolly, Bummi, Internat Wespennest, Tina und Tini, Nesthäkchen … Ich habe alle diese Bücher aufgehoben, weil sie mir einmal wichtig waren und ich sie verschlungen habe. Doch vielleicht reicht das als Grund nicht? Vielleicht sollte ich sie heute, mit erwachsenen Augen, mit Mutteraugen und in Zeiten, in denen Kindererziehung oftmals so ganz anders vonstatten geht als in meiner Kindheit, noch einmal lesen, bevor ich entscheide, ob ich sie wirklich meinen Kindern vermache? Vielleicht ist das Alte, vielleicht ist das Damals nicht immer besser? Höchstwahrscheinlich sogar 😉

Wie macht Ihr das? Lest Ihr Euren Kindern Astrid Lindgren vor? Und zuckt Ihr dabei auch ständig zusammen? Was für gute neue Kinderbücher könnt Ihr empfehlen? Auch neue Literatur ist ja nicht immer automatisch gut und steckt ebenfalls oftmals voll mit Stereotypen… Also gerne her mit Euren Tipps!

Verlosung:

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Bild @Marmeladenschuh

Und nachdem ich da jetzt nicht gerade Werbung gemacht habe – eher so Anti-Werbung – ich habe da zwei (gebrauchte) Bücher loszuwerden… Wo sind denn die Astrid Lindgren-Fans unter Euch? Kommentiert einfach bis zum 30.09.2016 hier unter dem Beitrag und lasst mir eine E-Mail-Adresse da, damit ich Euch kontaktieren kann, wenn Ihr gezogen werdet. Viel Glück!

(Rechtsweg und Barauszahlung ausgeschlossen)

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23 Gedanken zu “Oh, Annika…!

  1. Das ist ein wirklich interessantes Thema. Wir ist das auch schon – ohne bisher selbst Mutter zu sein – aufgefallen. Allerdings denke ich, dass die Meisten von uns ja trotz dieser Lese-Sozialisation auch keine Annikas geworden sind. 😉 Insofern schadet das eine oder andere Buch in einem gesunden Mix sicher nichts. Würde ich vermuten….

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  2. Guten Morgen!
    Mit viel Interesse habe ich deine Darstellung zu den Klassikern unserer Kindheit gelesen. Ich sehe es weniger kritisch. Wir haben es als Eltern schließlich in der Hand, wie diese Geschichten aufgenommen werden. Meinen Töchtern ist es sofort aufgefallen, dass es Unterschiede gibt, zu unserer Lebensweise. Und schnell kam die Frage auf „Ist das in Schweden so?“ – diese Beobachtungen lassen sich erklären. Und es wird beobachtet. Die Kinder nehmen die Differenzen klar wahr. Und erkennen aber ebenso ganz bekannte Dinge – nämlich die Dinge, die ihnen ihre Oma häufig erzählt. Verhalten, das sie von Oma kennen. Dinge, die Oma nie macht, weil es Opas „Ding“ ist. Und so haben sie die Möglichkeit zu einer ersten Berührung mit dem gesellschaftlichen Wandel.
    Es gibt auch unter den neueren Kinderbüchern nur selten welche, die ganz und gar ohne eine „Nachbesprechung“ auskommen.
    Ich finde es immer sehr interessant zu lesen, was Eltern (insbesondere Mütter) zu dieser oder jener Lektüre sagen. Leo Lausemaus ist auch so ein sehr umstrittener, ganz spezieller Fall. Die Handlungen der Mauseeltern sind nicht sonderlich zeitgemäß – dennoch lieben meine Kinder die kleine Maus und stören sich nicht an der „pechschwarzen Pädagogik“, sehr wohl bemerken sie aber die Unterschiede.
    Ich glaube nicht, dass es für Kinder eine „schlechte“ Lektüre gibt. Wichtig ist aber, dass man die Dinge erklärt, oder darauf aufmerksam macht. Kinder müssen bemerken, dass Geschichten eben „nur“ Geschichten sind und das diese manchmal Dinge zeigen, die wir in unserem Umfeld so nicht (mehr) finden.
    Vielen Dank für die nette Anregung zu dem Thema.

    Hier wird ganz klar für Astrid Lindgren gestimmt.

    Herzliche Grüße
    vom Landkind

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    1. Danke für Deinen interessanten Kommentar! Stimmt – darüber reden ist das Wichtigste, Kinder nehmen Unterschiede wahr. Ich denke nur, das tun sie eben auch im wahren Leben schon zur Genüge – bei Großeltern oder z.B. auch bei uns im Kiga, wo es seit einiger Zeit dieses Jungs-und-Mädchen-Ding auch gibt. Ich finde es schade, wenn ich beobachte, dass sich das negativ auf die Beziehung meiner Kinder auswirkt 😦 Aber ja, vielleicht sehe ich das sehr extrem kritisch… Und Leo Lausemaus ist für mich auch so ein rotes Tuch… LG

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      1. Aber die Welt besteht nun einmal aus Unterschieden und ich finde es sehr wichtig, dass Kinder diese wahrnehmen und lernen möglichst wertfrei damit umzugehen.
        Und das beginnt meiner Meinung nach schon bei der Lektüre. Und dieses Jungs vs Mädchen Ding ist eine Phase, die sie alle irgendwann mehr oder weniger durchlaufen und einfach mit der Identitätsentwicklung zu tun hat. Ich habe zwei Mädchen und hier fliegen regelmäßig die Fetzen – sie „müssen“ sich ganz klar von einander abgrenzen (für mich als Mama häufig ganz entsetzlich), wenn es aber darauf ankommt halten sie zusammen.
        Geschichten sind Geschichten, sie entführen uns mitunter in fremde Welten. Manche sind „nur“ leicht fremd und weniger abstrakt – auch Zauberer gibt es schließlich nicht und auch Drachenreiter zu werden wird schwierig.
        Und wer dazu neigt eine „Annika“ zu werden, dem kann man doch nur von Herzen wünschen, dass er in dieser Rolle sein Glück findet. 😉

        Liebe Grüße

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  3. Kinder lernen durch ältere Literatur andere Welten kennen. Man lernt zu differenzieren. Ist ja nicht so als wären neuere Bücher immer perfekt. 😊 wir sind große Astrid Lindgren Fans, haben aber beide Bücher schon…wie alle anderen auch😅

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  4. ich lese ab und zu aus meinen alten Kinderbüchern vor – aber immer „kreativ“, weil sie mir eigentlich durchgehend zu stereotyp sind. D.h. ich lasse Sachen weg, mache aus männlichen Figuren weibliche und andersrum. Bisschen anstrengend mitunter. Und manchmal breche ich auch ab, weil es mir zu blöd wird (Den Kleinen Wassermann z. B. habe ich selbst geliebt, finde ihn heute eher sehr ätzend). Mit neuen Büchern mache ich das genauso. Zur Zeit finde ich es fast unanstrengender, mir selbst Geschichten auszudenken (mit Anleihen aus vielen anderen Erzählungen 😉 )

    (an der Verlosung nehme ich nicht teil, habe die Bücher schon)

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  5. Ich versteh dich! Dennoch: Ich mag die alten Schinken gern, trotz teilweise fragwürdiger Inhalte. Der Mann in diesem Hause beklagte neulich, welche verkorkstes Männerbild denn bitte schön bei Bibi Blocksberg vermittelt würde. Und jaja, ich lach mich schlapp. Vater Bernhard ist immer eher der Depp und Bibi und Barbara regeln alles. Ist mir als Kind aber nie aufgefallen.
    Ich glaube Kindern fällt das alles nicht auf. Sprachliche Entgleisungen wie Schimpfwörter oder „Neger“ überlese ich aber auch und formuliere um. Muss man bei Otfried Pressier ja auch. Ansonsten…der Sohn singt gerade im Chor die Häschenschule. Eine wunderbare Melodie….der Text ist teilweise sehr altbacken. Aber darüber sprechen wir. Immerhin war es früher ja so in der Schule. Sie es wie Geschichtsunterricht. Astrid Lindgren kommt auch noch aus anderen Zeiten.

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    1. Ich glaube auch, dass Kindern das zunächst nicht bewusst auffällt, sie es aber evtl. unterbewusst dennoch verinnerlichen. Aber sie haben ja zum Glück noch andere Vorbilder aus dem realen Leben. Bernhard Blocksberg – 😂😂😂 – total der idiot dad! Stimmt, das ist auch ganz schön dämlich…

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  6. Interessantes Thema! Ich habe mich auch schon gefragt, ob diese schönen aber altmodischen Bücher überhaupt noch „gutes“ Vorlesematerial sind oder die nostalgiegeplagten Eltern ihre alten Lieblingsbücher nicht lieber ohne ihr Kind lesen sollten.
    Astrid Lindgrens Geschichten waren damals sicher modern, mit „wilden“ Mädchen wie Pippi, Madita, Ronja, Eva-Lotte & Co. (In den Übersetzungen wurden deshalb ja manchmal Dinge weggelassen oder umgeschrieben.) Es gibt aber auch sicher schlimmere Rollenklischeebücher als Die Kinder aus Bullerbü, wo die Mädchen zwar vielleicht der Mutti beim Abwasch helfen müssen und die Jungs nicht, trotzdem aber auf Kuhstalldächern rumlaufen, sich schmutzig machen und so. Damals war es ja nun mal die Norm, dass die Mütter zuhause waren und sich um die Kinder kümmerten. Die Bücher enthalten genug Elemente, woran die Kinder merken, dass das nicht „ihre“ (heutige) Welt ist. Die Pferdekutschen, Dienstmägde, Galoschen, Holzöfen in der Küche, um mal ein paar zu nennen.
    Ich lese meinem Sohn zwar gerne diese schönen alten Bücher vor, aber ich persönlich finde die Stellen mit den „Negern“ schlimmer als die darin enthaltenen Rollenbilder, bin mir nur noch nicht sicher, wie ich damit umgehen sollte.
    Über das Vorgelesene zu sprechen ist aber immer eine gute Idee! Und die Bücher mit den veralteten Rollenbildern mit modernen, politisch korrekten Büchern abzuwechseln und das moderne Rollenbild vorzuleben, hilft wahrscheinlich auch.
    Von Leo Lausemaus haben wir sage und schreibe 1 Buch, aber da weder ich noch der kleine Kaaskop es mag, werden keine weiteren folgen. Wusste gar nicht, dass die Serie umstritten ist!
    Ich mag „Der Drache Kokosnuss“ (Achtung, Rollenklischee: das Stachelschwein Mathilda verbindet Wunden und macht das Hängemattenbett zurecht) und „Die Kinder vom Möwenweg“ (auch als Zeichentrick!) Und wenn ich trotz Wohnsitz im Ausland an der Verlosung teilnehmen darf: „Die Kinder aus der Krachmacherstraße“ fehlt mir noch….

    Liebe Grüße aus Holland,
    Kristine

    PS. importkaaskop@yahoo.com

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  7. Ich muss sagen, ich hänge das nicht so hoch auf. Klassiker kommen aus der entsprechenden Zeit, das sollte man immer berücksichtigen. Letztendlich zählt doch, was wir unseren Kindern vorleben bzw. vorleben können. Vieles ist Berufstätigen Müttern hier ja dramatischerweise gar nicht möglich.
    Ich mag unveränderte Klassiker. Man muss es den Kindern natürlich passend vermitteln. …und hoffen, dass Ihnen mal mehr möglich sein wird.

    Was die ängstlichen Mädchenfiguren angeht: ich selbst war ein sehr ängstliches Mädchen und war irgendwie auch froh drum, dass es in den Geschichten nicht nur die Super-Mädchen (wie Pippi) gab, sondern auch „solche wie mich“, mit denen ich mich überhaupt erst identifizieren konnte. Es hat mir gezeigt, dass es für mich „auch Platz gibt“.

    Ich denke, es kommt halt immer auf die Mischung an.

    …und ich hüpf mit schnuppismama@gmx.de dann mal mit in den Lostopf 🙂

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    1. Ja, ich fasse für mich auch zusammen: Das Wichtigste ist, mit seinen Kindern ins Gespräch zu kommen und bestimmte Dinge als Gesprächsanlass zu benutzen. Man darf beim Vorlesen ja auch ruhig mal sagen „Boah, der Papa vom Michel ist ganz schön doof, oder? Heute darf man Kinder nicht mehr einsperren.“ Mache ich übrigens auch bei Märchen – auch so ein ganz spezielles Genre. Meine Tochter sagt bei Aschenputtel schon selber immer „So einen dummen Prinz würde ICH nicht heiraten! Der erkennt die ja nur, wenn sie ein schönes Kleid trägt…“

      Eine Pippi bin ich im Übrigen auch nicht – jedenfalls nicht durch und durch. Eher auch die Brote schmierende Annika 😉

      Bist im Lostopf – da ist es noch recht leer, gute Chanchen also 😀

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  8. Danke für den Blogpost, mir geht’s ähnlich, wenn ich auf übervorsichtige oder ewig kichernde Annikas in Büchern stoße, in denen gleichzeitig die Jungs den Gegenpol darstellen. Ich packe den Link hierher direkt in die Linkliste, die ich grade für meine SeminarteilnehmerInnen schreibe. Denn wenn es beim Thema geschlechtersensible Pädagogik um Kinderbücher geht, kommen eigentlich jedes Mal die Astrid Lindgren-Bücher als Positivbeispiel. Aber das kann man eben auch anders sehen… 🙂

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  9. Als großer Astrid Lindgren Fan muss ich jetzt für diese weise FFrau in die Bresche springen! Wenn man sich näher mit ihr bescöftigt und das habe ich im Sommer in Schweden sehr,, dann stellt man fest, wie modern sie war. Wie modern sie aufwuchs, was für moderne Ansichten ihre Eltern hatten (Familienbett! Kindern Freieheiten lassen! Nie von oben herab! usw). Ich bin zutiefst beeindruckt von ihr und ihrem Leben und ihren Ansichten. (darüber übrigens nächste Woche mehr bei mir in den Schwedenwochen) Ihre Bücher entstanden in einer bestimmten Zeit und was sie mit ihren Stereotypen zeigen will, ist dass diese Stereotypen eben nicht ok und nicht so einfach sind. Dass die Welt nicht schwarz und weiß ist. Und sie hat eben immer wieder als Kontrast diese Figuren wie Ronja Räubertochter oder Pippi, die frech und dagegen und anders sind und im bewussten Kontrast zu den Stereotypen stehen.

    Es ist also ein bewusstes Stilmittel von ihr, was sich durch ihre Literatur zieht.

    Und was das N. Wort betrifft bei dem sich mir die Nackenhaare hochstellen, weil ich es wirklich nicht hören und lesen kann: Man muss dazu wissen, dass es auf Schwedisch nicht die Konnotation hat wie im Deutschen. Es wurde ja auch gändert und ich finde es gut fgeänder.t Ich lese immer „Südseekönig“ und die neuen schwedischen Bücher sagen das auch. Es ist ein Zeitzeugnis, das Wort und es ist der schwedischen Übersetzung geschuldet.

    Wenn sich jemand gegen Rassismus wandte, dann Astrid Lindgren! Ich habe gerade ihre Kriegstagebücher gelesen – die sie schrieb als Pippi entstand. Sehr empfehlenswert, ganz tolle Bücher. Astrid Lindgren war eine Pazifistin und ein Menschenfreund.

    Und was die heile Welt von Bullerbü betrifft: Astrid Lindgren verarbeitete eigene kindheitserlebnnisse in diesen Büchern, es sind gnz viele GEschichten dabei, die sie so als Kind erlebt hat. Ich liebe diese bücher und die besondere Atmosphöre, die Schilderungen von meinem Schönen Schweden.

    Nein ich muss Dir da ganz entschieden widersorechen Astrid Lindgren ist eine der größten Kinderbuchautorinnen unserer Zeit Ihre Werke sind großartig, sowohl stilistisch als auch inhatlich. Und sie war so eine beeindruckende Frau mit ganz modernen, kinderfreundlichen Ansichten, wie es nur wenige aus ihrer Generation gab. es gibt sehr viele bemerkenswerte Interviews mit ihr.

    So, das musste raus, denn das lag mir als großem Astrid Lindgren Fan wirklich sehr am Herzen!!!

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  10. Ach je, so schlimm finde und fand ich Astrid Lindgren nie. Im Gegenteil, das sind Geschichten. Und ich muss auch ganz ehrlich sagen, dass diese Stereotypen eben von ihr NICHT als ultima genannt wurden, sondern nahezu immer aufgelockert und im Kontrast gesehen werden. Natürlich war es zu der Zeit (und auch teilweise immer noch) modern, dass die richtigen Mädchen lieb und brav waren – aber trotzdem ging Annika mit auf Ballonfahrt und auch Ann aus den Fünf Freunden macht nahezu jedes Abenteuer mit und ist tapfer und mutig – aber eben nicht so „laut“. Dafür haben Julian und Dick auch beim Abwasch mitgeholfen und auch Tommy hat die Wäsche mit abgenommen oder den Tisch gedeckt. Klar sind die Jungs wilder und die Mädchen häufig sanfter gezeichnet, aber warum auch nicht? Stereotypen werden auch heute noch gelebt (Frau arbeitet wenig oder gar nicht, weil sie mit den Kindern zu Hause bleibt – ich erlebe heute tatsächlich fast „Anfeindungen“, wenn ich meine Kinder in die Ganztagsschule und den Kindergarten gebe, weil ich 30 Stunden/ Woche arbeiten gehe) und sind vielleicht auch in gewisser Weise normal, aber deswegen Astrid Lindgren oder andere Klassiker nicht mehr zu lesen oder umzuformulieren, finde ich schon etwas übertrieben.
    Meine Jungs werden auch so wissen, wie man Wäsche wäscht, staubsaugt und Geschirr spült – dafür muss das in den Büchern nicht durch mich verändert werden. Bücher sind eine Welt, in die man abtaucht. Und es gibt auch heute noch Mädchen, die bestimmt froh sind, wenn in Büchern auch mal sanfte Mädchen auftauchen (und sie sich nicht an einer Pippi messen lassen müssen) oder Jungs sind froh, wenn Karl aus TKKG eben auch mal Mädchen rettet und nicht nur Tim der große Held ist.
    Ich bzw. wir lieben Astrid Lindgren und hüpfen damit gern in den Lostopf (die beiden Bücher haben wir nämlich tatsächlich noch nicht von ihr).

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  11. Hallo 🙂
    Erst mal: an deinen Büchern hab ich durchaus Interesse 😉
    Als Grundschullehrerin finde ich es SUPER wenn Eltern sich die Bücher ihrer Kinder nochmal genau anschauen und ihnen nicht einfach „irgendwas“ zu lesen geben. Denn auch Kinderbücher sind nicht immer geeignet.
    Allerdings würde ich die von dir genannten Bücher nicht generell ausschließen – sondern vielleicht einfach 2-3 Jahre zurück in den Schrank stellen. Wenn man merkt, dass die eigenen Kinder noch nicht dazu bereit sind, dann ist es gut zu warten bis sie so alt sind Unstimmigkeiten relektieren zu können.
    Als Mutter von einem Baby und einem Kleinkind freue ich mich schon sehr darauf später mit meinen Kindern auch über die Bücher meiner Kindheit reden zu können. Aber jetzt zur Zeit bekommen sie nur Sachen vorgelesen/ zum Hören wo ich auch ganz hinterstehe. Wann der richtige Zeitpunkt gekommen ist, weiß ich nicht – das muss jede Mutter/Vater für ihre individuellen Kinder entscheiden. Ich selber habe Hanni und Nanni für mich erst entdeckt als ich auf die weiterführende Schule kam. Ich wusste zu dem Zeitpunkt schon, dass vieles nicht mehr mit meiner Lebenswirklichkeit/ dem Rollenbild meiner Zeit übereinstimmt – und dennoch hatte ich Freude am Lesen.
    Ich werde meinen Kindern auch irgendwann Märchen vorlesen, obwohl ich nicht an Hexen und Zauberer glaube und das Rollenbild einer Prinzessin (hübsch aussehen und auf die Hochzeit warten) doof finde. Aber ich werde es eben jetzt noch nicht machen, weil ich nicht will dass sie das für Realität halten.
    Andererseits: Benjamin Blümchen = ein sprechender Elefant gibt es jetzt schon. Mein Sohnemann hat schon Elefanten gesehen und weiß das die nicht sprechen können, somit ist das „gefahrlos“ möglich. Bei Bibi Blocksberg halte ich mich allerdings noch zurück, denn ihm jetzt zu zeigen, dass Hexerei erfunden ist, da weiß ich noch nicht wie ich das anstellen soll…

    Erziehung bleibt immer auch Bauchsache 🙂

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  12. Hallo,
    ich fand es sehr interessant und spannend, was Du schreibst.
    Sowohl als Privatperson als auch als Erzieherin kann ich das Feedback geben, dass meine und die Kinder in unserer Einrichtung die meisten Astrid Lindgren-Bücher sehr gern lesen und hören. Pippi Langstrumpf, Ronja Räubertochter und Maditha sind DIE großen Heldinnen bei uns. Alle drei Geschichten sehen die Kinder als Erzählungen „von früher“ an und haben große Freude sie zu hören. Und es gibt durchaus Kinder wie Pippi Langstrumpf – kreativ, interessiert, immer tolle Ideen und sehr anziehend. Ich kenne einen konkreten Fall, bei dem Kinder festgestellt haben, dass Pippi wie ein Kind in unserer Einrichtung ist.
    Viele Kinder erkennen sehr wohl, dass die Figur der Annika absolut überspitzt dargestellt ist.
    Bücher haben verschiedene Alters- und Entwicklungseignungen. Mio mein Mio ist für mich beispielsweise ein Buch für die frühe Pubertät und nicht geeignet für junge Kinder.
    Ich habe ganz große Schwierigkeiten mit Karlsson vom Dach – ein Erwachsener, der sich auf Kosten von Kindern immer wieder bereichert und diese gnadenlso ausnutzt.
    Unsere Mädchen mögen Bibi und Tina-Geschichten, stark bedingt durch die durchaus kritisch zu betrachtenden Spielfilme der letzten Jahre. Für den Elementarbereich sind Teenie-Themen wie erste Liebe und Menstruation noch nicht wichtig. Die alten „Bibi Blocksberg“ und „Bibi und Tina Geschichten“ sind für mich allerdings zum Hören sehr nett.
    Großer Renner bei unseren Vorschulkindern ist übrigens „Elliot und Isabella“.

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